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Lost

Autor: JonasMueller | Datum: 30 September 2011, 16:57 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 22 September

 

 Ich behaupte von mir einen ausgeprägten Orientierungssinn zu haben. Egal ob ich in einer fremden Großstadt unterwegs bin oder abseits des Weges im Wald spazieren gehe, ich weiß immer wo ich her komme, wo ich mich gerade befinde und wie ich zurück finde.

 Für den Markt von Ho gilt das nicht. Scheinbar ohne System reihen sich die Stände aneinander, die Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch und Konservenwaren feilbieten. Dazwischen staubige Trampelpfade die es einem schwer machen nicht irgendeinen Korb umzustoßen.

Links und rechts gehen alle fünf Meter neue Wege ab, sodass man geneigt ist sich in dem geschäftigen Wirrwarr zu verlaufen.

 Jedoch fällt es nicht auf, wenn man sich verlaufen hat. In dem hektischen, lauten Treiben, den Farben und dem Geruch habe ich mich verloren, kaum dass ich den Markt durch den Busbahnhof, in dem das Chaos das vorherrschende System ist, betrat. Das Gemüse, das Obst und die kunterbunten Kleider der Frauen bilden farbenprächtige Kontraste zu dem Einheitsbraun der Holzstände und des Bodens, süß-fruchtiger Geruch von Bananen, Ananas oder Orangen, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, wechselt sich ab mit dem - böse Zungen behaupten ekligem - Geruch von "frischem" oder geräuchertem Fisch und noch lebenden Krebsen.

 Die Marktfrauen unterhalten sich lautstark miteinander, preisen ihre Ware an oder wuseln hin und her. Tief im Inneren das Marktes finden sich auch vollständig überdachte Stände wieder. Kleine Schattenoasen die Schutz vor der sengenden Mittagssonne bieten.

 Spätestens als ich an diese überdachten Stände gelange fühle ich mich an Hänsel & Gretel erinnert, nur das meine Brotkrumen nicht von Singvögeln sondern von freilaufenden Ziegen und Hühnern gegessen wurden.

 So dauert es seine Zeit bis ich aus dem Ameisenhaufen finde nur um dann zu merken, dass die Straßen Hos ähnlich wie der Markt aufgebaut sind - kreuz und quer angelegt, ohne erkennbare Orientierungspunkte und schon gar nicht mit irgendwelchen Straßennamen. Doch ein einfacher Wink mit der Hand reicht um mich aus dieser verirrten Lage zu retten. Mit gelben Kotflügeln, gelbem Nummernschild und gelbem Taxischild unverkennbar fährt ein ein Opel Corsa rechts ran und bringt mich für gerade mal 25 Eurocent aus dem Stadtwald nach Hause.

 Würde man mit diesem Opel Corsa beim TÜV vorfahren, so würde man mit ziemlicher Sicherheit außer abfälligem Lachen nichts bekommen. Der linke Außenspiegel hat einen großen Sprung ein seiner Mitte, der Rechte ist non-existent, genauso wie der Innenspiegel. Ähnlich geht es der Innenverkleidung der Beifahrertür, die de facto nicht vorhanden ist. Als Schaltung dient eine Metallstange und als Sicherheit der Glaube in Gott, Sicherheitsgurte sind nicht vorhanden. Trotz inzwischen eingesetzten Regens verweigern die Scheibenwischer beharrlich ihren Dienst und so fällt es schwer durch die Windschutzscheibe zu blicken, die ein vom Dach bis zur Motorhaube reichender Riss ziert.

 Doch dank freilaufender Tiere und Menschen, die auf der Straße gehen, da Gehwege nicht vorhanden sind, ist es eh nicht möglich schnell zu fahren und so komme ich doch sicher zu Hause an.

 Ja, der Alltag ist ein Abenteuer.

 

 

Jonas

 

Welcome to Africa

Autor: JonasMueller | Datum: 21 September 2011, 19:04 | Kommentare deaktiviert

Samstag, 17 September 2011

 

 Es ist warm und es ist laut. Das sind meine ersten Eindrücke Ghanas. Die Lautstärke legt sich bald, schließlich drehen sich noch die Flugzeugturbinen, aber warm und schwül ist es immer noch.

 Die Passkontrolle gestaltet sich als simpel auch wenn mir der Beamte mit einiger Ungeduld begegnet. Bei der Gepäckausgabe spricht mich ein Mitarbeiter des Flughafens an und ich verstehe kein Wort. Das African English ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, es ist wie mit schwäbisch: auch wenn man deutsch kann, heißt das noch nicht, dass man auch schwäbisch versteht. Mit African English ist es das Selbe. Der Flughafenarbeiter bemerkt, dass ich kaum etwas verstehe und als ich mich entschuldige, ich sei noch nicht an den afrikanischen Akzent gewöhnt entgegnet er "welcome"  In Ghana eine universelle Phrase für "Danke", "kein Problem", "Tschüss" und andere Wörter.

 "welcome" begegnet mir auch, als wir unser Gepäck in den Toyota Kleinbus laden, mit dem wir abgeholt werden. Er wirkt von innen etwas mitgenommen, die Lederbezüge sind teilweise eingerissen, aber im Vergleich zu anderen Vehikeln die in Accra durch die Straßen fahren ist er in guter Verfassung.

 Es ist schon dunkel, die Sonne verschwand bereits im sechs Uhr hinter dem Horizont, aber trotzdem bekomme ich etwas von Accra zu sehen. Läden und Kiosks, gebaut aus Vodafone- oder Coca-Colafrachtcontainern und Holz wechseln sich ab mit Straßenständen die nur aus Holz gebaut und mit Wellblech abgedeckt sind und dazwischen finden sich immer wieder Steinhäuser, deren drei Meter hohe Mauern Stacheldraht schmücken. Im Hintergrund sind Rohbauten auszumachen. Ghana befindet sich im wirtschaftlichen Aufschwung den ich auch bei den Straßen bemerke. Die sind größtenteils asphaltiert, nicht so, wie ich es aus Dar es Salaam kenne, aber immer, so scheint es mir, wenn der Teer ausgegangen ist, werden einfach Schlaglöcher als Straßenbelag verwendet.

 Ich rede nicht viel auf der Fahrt zu meiner Unterkunft. Vielmehr lasse ich mich von den Impressionen überwältigen und genieße alles was sich meinem Auge bietet, darum bemüht mir endlich klar zu machen, dass ich endlich in Ghana bin, dort, worauf ich solange hingefiebert habe.

 Ich komme in meinem Nachtquartier an und bekomme ein freundliches "welcome" zu hören, als ich mich für die Fahrt bedanke und mir geholfen wird mein Gepäck auszuladen.

 Erschöpft von dem Flug und den Eindrücken liege ich im Bett und schlafe mit dem Gedanken ein, der mich beschleicht seitdem ich die Lichter von Accra aus dem Flugzeug sah und dem der Flughafenmitarbeiter und der Fahrer auf seltsame Weise Ausdruck verliehen haben: Welcome to Africa.

 

 

 Jonas