VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Ann-Christin | Annika | Benjamin | Carina | Charlotte | Christine | Ilva | Jan | Jonas M | Jonas P | Lina | Moritz | Nadine | Robert | Svenja | Till | Vincent

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Fotos...

Autor: JonasMoeller | Datum: 29 Oktober 2011, 23:13 | Kommentare deaktiviert

.. gibts jetzt auch von mir.

Zu finden unter Album. Dank geht hier bei an meinen kleinen Bruder der mir seine Kamera geliehen hat.

Das sind selbstverstaendlich nur einige ausgewaehlte Fotos damit ich spaeter noch genug habe um meinen Lebensunterhalt mit Dia-Votraegen zu verdienen.

 

Jonas

 PS: bei nochmaliger Betrachtung des Wasserfalls und unter Beruecksichtigung meiner langjaehrigen Kanutenerfahrung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Wasserfall nicht befahrbar ist ;)

 

Exit trough the Window

Autor: JonasMueller | Datum: 19 Oktober 2011, 21:47 | Kommentare deaktiviert

Samstag, 15 Oktober

 

 Die Voltaregion, der Bundesstaat in dem Ho liegt, zeichnet sich durch drei geografische Besonderheiten aus. Zunächst einmal durch den Voltastausee (wer hätte das gedacht) aber auch durch weitläufige Ebenen die immer wieder von langen Gebirgs- und Hügelketten durchzogen werden.

 Ho liegt in der Ebene, grenzt aber umittelbar an eine Hügelkette und eignet sich daher gut als Ausgangspunkt für Tagesreisen. Zwei solcher Tagesreisen haben wir schon unternommen und da wir finden, dass plattes Land total langweilig ist, außer Regenwald und vereinzelten Dörfern haben die Ebenen echt nichts zu bieten, sind wir auch nicht ins platte Land getourt sondern haben uns stattdessen auf in die Berge gemacht.

 

 Das erste Ziel, dass wir bereits letzte Woche ansteuerten, nennt sich Amedzofe liegt 45 Minuten von Ho entfernt und geschätzt 150 Meter höher. Das es höher liegt merke ich bereits auf der Hälfte der Fahrt denn ab dort schließen uns dichte Wolken ein und lassen die Sichtweite auf angenehme zehn Meter sinken. Angenehm ist das deshalb, da ich dann nicht sehe wie unglaublich steil es neben der Schotterpiste hinab geht. (Aufmerksame Leser erinnern sich jetzt an den Zustand der Taxen, den ich bereits in meinem zweiten Blogeintrag beschrieben habe)

 Ansonsten ist die geringe Sichtweite kein Problem, denn die Kurven in denen sich der Weg durch den Berg schlängelt kann man aufgrund der dichten Flora sowieso nicht einsehen. Da verhindert dann eher beherztes Hupen etwaige Zusammenstöße.

 Aber nicht umsonst zieren die gesprungene Windschutzscheibe gleich zwei Kruzifixe und so haben wir trotz aller Widrigkeiten eine sichere Fahrt.

 In Amedzofe angekommen heißt es warten. Typisch für die momentan herrschende Regenzeit regnet es und bei Regen sieht der Leiter des Touristencenter es überhaupt nicht ein sich vor die Tür zu bequemen um im Regen zur Arbeit zu stapfen. (Durchaus keine Seltenheit. Regnet es, werden selbst die lebendigsten Ortschaften zu Geisterstädten – Ghanaer hassen Regen)

 Egal, time ain't money und da ich dieses Verhalten schon kennengelernt habe zücke ich mein Buch und lese noch ein bisschen. Um genau zu sein eine Stunde. Dann nämlich hörte es auf zu regnen und wir können endlich unsere Wanderung antreten.

 Die unterteilt sich in zwei Ziele: „Mount Gemi“ und die „Ote Falls“

 Als erstes wandern wir auf die Spitze des Mount Gemi. Die Wanderung gleicht eher einem Spaziergang, da es weder sonderlich steil zugeht noch sonderlich lange dauert. Die Aussicht ist nichtsdestrotrotz fabulös und lässt mich bei ihrem Anblick vor Freude jauchzen. Tatsächlich kann ich trotz der tiefhängenden Wolken die gesamte Ebene sehen die erst vom Voltastausee begrenzt wird der am äußersten Rand mit dem Horizont zu verschmilzen scheint.

 Zwanzig Minuten, einer bedeutenden Menge Fotos und einer noch bedeutenderen Menge Ausrufe, deren Aussage sich mit „Oh mein Gott, guck dir das an, ist das geil“ zusammenfassen lässt, später geht es wieder bergab Richtung Ote Falls. Bergab im wahrsten Sinne des Wortes.

 Zwar geht es voerst auf ausgefahrenen Waldwegen weiter doch schon bald werden diese durch einen Trampelpfad abgelöst der zunächst nur durch mannshohe Farngewächse führt aber schon bald über Stock und Stein so steil bergab geht, dass schon früh ein Seil als Handlauf und Festhaltepunkt dienen muss damit ich mir nicht den Hals breche. Der vom Regen nasse und damit glitschige Boden macht die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher. Aber wie so häufig lohnt sich die Mühe und der Anblick der Ote Falls entschädigt für alles.

 Ich muss zugeben, dass ich ein großer Fan solcher kitschigen, romantisch völlig verklärten Bilder bin deren Motive meist weißer Sandstrand mit türkisem Wasser und Palmen sind. Aber auch Wasserfälle werden als Motiv genutzt und die Ote Falls sind definitv so ein Motiv weshalb ich bei diesem wunderschönen Anblick sofort sterben könnte.

 Das Sterben lass ich sein sondern schieße stattdessen schätzungsweise eine Million Bilder.

 Der Rückweg gestaltet sich leicher als der Hinweg schließlich geht es bergauf, was sich meiner Ansicht nach meist einfacher gestaltet als bergab.

 Nach dieser wunderbaren Tour sind wir noch von unserem Begleiter in sein Heimatdorf eingeladen weshalb es nochmals über Trampelpfade ins hinterletzte Kaff geht. Aber nebensächlich wie weit ab vom Schuss das Dorf auch sein mag, die Gastfreundschaft ist auch hier legendär und so bietet sich uns die Möglichkeit uns die Bäuche mit Maisbreiklößen in Soße vollzuschlagen. Durch den Umstand, dass man die mit den Fingern isst schmecken sie gleich doppelt lecker.

 Unser Tagestrip endet mit weiteren vier Kilometern Fußweg, denn, selbst wenn die Menschen auch im hinterletzten Kaff sehr gastfreundlich sind, Taxen oder Busse fahren dort trotzdem nicht und so bleibt uns nichts anderes übrig als an die nächste geteerte Straße zu laufen um dort ein Troto Richtung Ho zu erwischen.

 Trotos, das sind Kleinbusse diverser asiatischer Autobauer die hier als Fernverkehrsmittel fungieren. Die Innenausstattung lässt sich mit der gängiger Taxen vergleichen, denn auch hier sind sowohl Tacho, Drehzalmesser, Tankanzeige, Spiegel als auch Gurte oder die Innenverkleidung Fehlanzeige. Dafür sind Trotos gnadenlos auf Effizienz getrimmt denn sie bieten ohne Quetschen fünfzehn Menschen Platz. Mit Quetschen kann man die Zahl getrost auf zwanzig erhöhen.

 Wir kommen sicher zu Hause an und als Fazit kann ich sagen, dass es eine angenehme und entspannte Wanderung war die viele tolle Bilder zu bieten hatte.

 

 Unser nächster Trip, den wir diesen Samstag machten, war da schon von ganz anderem Kaliber.

 Ziel war Mount Adaklu, circa zwölf Kilometer von Ho entfernt und damit auch schon von zu Hause aus sichtbar. Geplanter Start war um acht Uhr, das heißt wir hatten dann so um elf ausgeschlafen und haben uns auf den Weg gemacht.

 Spät losgehen hat einen elementaren Nachteil: man ist der Mittagshitze gnadenlos ausgesetzt.

 Egal, wir sind jung, strotzen vor Energie und außerdem gibt es ja viel Schatten und überhaupt: soo steil kann das garnicht sein.

 Das ist wohl das, was man jugendlichen Leichtsinn nennt.

 Die Sonne stand im Zenit weshalb die die mannshohe Vegetation herzlich nutzlos war und wir die ganze Zeit in der Sonne brieten. Und der Pfad schmiegte sich auch nicht in angenehmen Serpentinen in die Flanke des Berges und war auch nicht schön ausgetreten. Vielmehr ging er knallhart kerzengerade bergauf und man musste teilweise auf gut Glück laufen da von dem Pfad nicht viel zu sehen war.

 Anfangs ging es noch durch Felder und Strauchsavanne aber bereits nach dem ersten nennenswerten Anstieg von vielleicht dreißig Höhenmetern machten wir die erste Pause. Die Sonne scheint gnadenlos auf uns herab und mir steht bereits der Schweiß auf der Stirn. Nach der kurzen Verschnaufpause wandern wir weiter und kämpfen dem Weg weiter Meter für Meter ab wobei es    heißt unter Baumstämmen hindurch zu kriechen, hüfthohe Stufen zu bewältigen und dabei immer aufzupassen nicht auf dem matschigen Boden auszurutschen.

 Dreißig Minuten und gefühlte zehntausend Höhenmeter später machen wir die nächste Pause. Ich stehe dem Kollaps nahe, mein Herz pumpt in ungesundem Tempo und mein Shirt ist schweißnass.

Und damit meine ich nicht, dass mein Shirt an einigen Stellen etwas feucht war. Nein, damit meine ich es war klitschnass.

 Aber jammern hilft nichts. Uns stehen noch gut zwanzig Minuten Fußmarsch bevor und wie heißt es so schön: „Was uns nicht umbringt macht uns stärker“

 Wir schaffen es auch mit zwei, drei Herzattacken bis nach oben und wie auch den Samstag davor entschädigt die Aussicht für alles. Denn auch hier ist sie einfach überwältigend.

 Wir legen uns in den Schatten eines Felsüberhangs und bringen den Puls erst einmal wieder unter 180. Danach wird erneut der Auslöser der Kamera überstrapaziert und nach 45 Minuten Pause geht es wieder runter. Diesmal ist der Abstieg tatsächlich leichter. Die Sonne ist hinter dem Berg verschwunden und wir rutschen teils auf dem Hintern abwärts.

 So kommen wir dann direkt ausgeruht unten an wo wir bereits nach fünf Minuten ein Troto finden das uns heim bringt. Passenderweise das Selbe welches uns auch schon hingebracht hat. Da wir Anfangs allein im Troto sitzen lassen wir es uns nicht nehmen die Schiebefenster ganz zu öffnen und uns auf den Rand zu setzen um uns den Wind um die Nase wehen zu lassen. Und immer wenn am Rand der Staubpiste Händler ihre Früchte feilbieten signalisieren wir dem Fahrer er solle bitte anhalten damit wir stilecht aus dem Fenster aussteigen, einkaufen und durch die Fenster wieder einsteigen können.

 Spätnachmittags kommen wir daheim an und können als Fazit geben, dass es zwar anstrenged, aber auch richtig belebend war.

 Irgendwann habe ich mich übrigens normal hingesetzt. Die Straße war mit Erde vollgeschüttet und ich hatte zwischenzeitlich Angst das Troto würde kippen.

 

 

Jonas

 

We don't need no education

Autor: JonasMueller | Datum: 19 Oktober 2011, 21:42 | Kommentare deaktiviert

Montag, 17 Oktober

 

 

 Es ist seltsam auf der anderen Seite. Damit meine ich nicht eine andere Seite des Lebens die sich hier auf tut, die ist wunderbar. Nein, ich meine ganz banal die andere Seite des Klassenraums.

 Nach zwölf langen Jahren als Schüler habe ich nun die Fronten gewechselt und verdiene mir nun auf Seiten der Lehrer in zwei Grundschulen meine Lorbeeren im Schulalltag.

 

 Wie bei der Jobsuche üblich stellte ich mich zunächst beim Schulleiter vor. Ich sagte kurz wer ich bin, woher ich komme und was ich gern unterrichten würde. Insgesamt haben knapp drei Sätze gereicht um den Schulleiter von meinen Kompetenzen zu überzeugen und mir eine Arbeitsstelle zu verschaffen, auch wenn mich das Gefühl beschlich, dass jeder x-beliebige Depp dort hätte vorstellig werden können um eine Stelle als Freiwilliger zu bekommen - egal, nun bin ich kein x-beliebiger Depp also ab in den Unterricht.

 Auch wenn ich als (Hilfs-)lehrer angestellt bin hieß es dennoch für mich vorerst wieder die Schulbank zu drücken denn auch Lehrer sein will gelernt sein. Nun saß ich also da und beobachtete wie ghanaische Lehrer arbeiten.

 Nach zwei Wochen kann ich sagen, dass die Stunden meist ähnlich ablaufen: die Schüler kommen in den Raum aber da die Lehrerin (es gibt kaum männliche Grundschullehrer) immer mindestens fünf Minuten später kommt, gerne mehr, hat sich die Pause lediglich verlagert und die Kinder machen im Klassenraum weiter Randale. Erstaunlich ist dennoch, wie schnell die Schüler ruhig sind, kaum das die Lehrerin den Raum betreten hat. Die sagt dann an, welche Bücher auf den Tisch gehören und zwei Schüler holen sie und verteilen sie an die Klasse - weder Schulbücher noch Aufgabenhefte werden hier von den Schülern mitgebracht. Alles wird in abschließbaren Schränken in den Klassenräumen verwahrt. Sind die Bücher dann verteilt werden sie aufgeschlagen, ein Text wird gelesen und dann werden Aufgaben zu dem Text gemacht. Wurden diese Aufgaben dann mündlich gelöst werden sie mitsamt Lösungen an die Tafel geschrieben und von den Schülern in ihre Aufgabenhefte geschrieben.

 Das mündliche Bearbeiten der Aufgaben sieht so aus, dass die Lehrerin die Frage vorliest und dann von einem Schüler beantwortet wird. Die Antwort wird dann an die Tafel geschrieben. Hierbei haben die Lehrerinnen einen beeindruckend kurzen Geduldsfaden, meldet sich innerhalb von dreißig Sekunden Niemand sagt sie die Lösung kurzerhand selbst und schreibt sie an die Tafel.

 Zeuge dieser mangelnden Geduld werde ich auch beim Lesen der Texte. Stottert der Schüler bei einem Wort oder weiß nicht wie es ausgesprochen wird sagt die Lehrerin sofort vor. Und das kommt häufig vor, denn auch wenn man annehmen sollte in den Klasssen Vier bis Sechs die ich unterrichte können alle lesen, ist das längst nicht der Fall und häufig habe ich das Gefühl, die Texte sind einfach nur auswendig gelernt worden. Das wird mehr als deutlich wenn ich die Schüler bitte Texte vorzulesen die sie nicht kennen. Da bekomm ich dann nämlich nur Schweigen zu hören. Ähnlich sieht es mit Fragen zum Textverständnis aus. Auch dann bekomme ich nur betretendes Schweigen selbst wenn ich die Textpassage mit der Antwort nochmals vorlese und die Lösung extra betone.

 Das ist manchmal richtig deprimierend zu mal die Schüler auf die Frage, ob sie denn verstehen was ich sage, mit „Ja“ antworten.

 Im Sportunterricht läuft das glücklicherweise anders, denn dort müssen die Kinder keine Fragen beantworten sondern einfach nur Fußball spielen. Und das können sie richtig gut. Auch ohne Sportkleidung, sie spielen einfach in ihren Schuluniformen, und in gleißender Sonne.

 Neben Englisch und Sport steht noch I.C.T auf meinem Stundenplan, zu vergleichen mit Computertraining wie es auch in Deutschland angeboten wird.

 Das sieht wie folgt aus: ungefähr fünfzehn Schüler scharen sich um zwei bis drei PC, je nachdem wie viele funktionieren, und erlernen Basiswissen im Umgang mit Computern. Das Lernen läuft so, dass die Schüler manchmal in „Word“ sinnlos Buchstaben tippen oder Sätze immer wieder schreiben wobei sie auf die Groß- und Kleinschreibung achten, in „Paint“ abstrakte Kunst malen oder, mein Favorit, alte Rennspiele aus dem vorvergangenen Jahrzehnt spielen. Ich gehöre zwar zu den Leuten die Computerspielen einen Wert beim Erlernen gewisser Kompetenzen wie etwa Hand-Augen-Koordination zusprechen, aber der pädagogisch-didaktische Nutzen von Rennspielen bei Siebenjährigen erschließt sich auch mir nicht.

 Überhaupt wird im Unterricht so einiges anders gehandhabt.

 Abgesehen von Frontalunterricht wie ich ihn bereits beschrieb sind andere Unterrichtsmethoden wie etwa Gruppenarbeit oder Referate nicht vertreten. Dazu fehlen zum einen die nötigen Materialien und zum andern sind diese Lernmethoden den Lehrern gänzlich fremd.

 Weiter ist hier die Prügelstrafe als einzige Sanktion vertreten. Machen die Schüler Unfug oder entsprechen anderweitig nicht den Ansprüchen der Lehrer kassieren sie mit einem Zeigestock Schläge auf Waden oder Handinnenflächen. Die Anzahl der Schläge variert dabei je nach Schwere des Vergehens. Was ich persönlich jedoch als grausamer als die Schläge selber empfinde ist die Tatsache, dass alle Mitschüler lachen wenn jemand bestraft wird. Und wenn dann Tränen fließen spendet auch niemand von den Freunden trost.

 Abgesehen von einem derart rauen Klassenklima nehmen sich deutsche und ghanaische Schüler nicht viel. Im Schnitt sind die Mädchen die besseren Schüler und im Schnitt sind die Jungen die Lauteren und diejenigen die Unfug anstellen. Ausnahmen gibt es wie überall auch hier.

 

 Wie ich bereits erwähnte arbeite ich nunmehr seit zwei Wochen in den zwei Grundschulen und habe mich inzwischen ganz gut eingelebt. Aber wie so häufig war auch hier aller Anfang schwer. Das Problem war, dass kein Lehrer wirklich mit mir geredet hat, mir Unterrichtsmaterialien gegeben hat, mir mitgeteilt hat welches Thema gerade bearbeitet wird oder mir erklärt hat wie der Unterricht denn so abläuft. Im Prinzip kein Problem, ich kann und sollte schließlich die Initiative ergreifen, aber nichtsdestrotrotz habe ich mich in meiner ersten Pause seltsam verloren gefühlt. Ich gehörte weder zu den Schülern noch so richtig zu den Lehrern womit ich zwischen allen Stühlen saß.

 Interessant wurde die Pause dennoch, denn als ich allein auf meinem Stuhl im Schatten die Pause abwartete kamen zwei Schülerinnen der unteren Klassen (Die Grundschulen sind hier geteilt in Klassen 1-3 und 4-6) zu. Die Schülerinnen wussten anfangs nicht so recht ob sie näher kommen konnten und blieben zunächst in sicherer Entfernung stehen und betrachteten mich. Ich, lustig wie ich nun mal bin, fing auch prompt an ihnen Grimassen zu schneiden was sie zwar verschreckte, gleichzeitig hellauf zum Lachen brachte. So zeigte ihre Mimik schreckgeweitete Augen und gleichzeitig ein Lachen von einem Ohr zum Anderen. Zehn Minuten machte ich mir einen Spaß daraus Grimassen zu schneiden, ins Leere zu starren um sie dann unvermittelt anzugucken oder große Augen zu machen. Die Schülerinnen lachten, erschreckten sich und versteckten sich hintereinandern, waren aber schlussendlich mutig genug um an mich heran zu treten und meine Haare und meine Haut zu befühlen. Ein Verhalten das die Schüler auch sonst an den Tag legen. Immer wenn sie nichts zu tun haben kommen sie auf mich zu und fassen meine Haare und meine Haut an. Etwas, ich habe noch nicht begriffen was, scheint sie unheimlich an meinem Äußeren zu faszinieren.

 

 Diese anfängliche Distanz ist nun überwunden und sowohl die Schüler als auch die Lehrer kommen offen auf mich zu und vermissen mich regelrecht (zumindest du Schüler) wenn ich mal in anderen Klassen unterrichte. Das Unterrichten habe ich drei Tage später angefangen und ich muss sagen, dass es mir unfassbaren großen Spaß bereitet vor einer Klasse zu stehen. Zwar mache auch ich nur Frontalunterricht, da für Anderes zum Einen die Materialien fehlen und zum Anderen die Fähigkeit der Schüler selbstständig zu arbeiten, aber trotzdem mach ich es so gern, dass ich den ganzen Tag unterrichten könnte auch wenn der Stundenplan das nicht hergibt. Meine momentane Begeisterung (hoffentlich ist es nicht nur anfängliche Euphorie) lässt sich nicht einmal dadurch schmälern, dass ich immer wieder vor verständnislosen Klassen sitzte die weder ein Wort vom Text verstehen, noch ein Wort von mir – stellt sich die Frage wie die Schüler es überhaupt bis in die sechste Klasse geschafft haben.

 Und damit offenbart sich ein großes Problem. Alles lernen ist auf reines auswendig lernen ausgerichtet, ungeachtet dessen, ob es die Schüler verstehen oder nicht. Klausuren gibt es nur am Ende eines jeden Schuljahres und bestehen in der Grundschule nur aus Multiple-Choice Aufgaben und für die reicht auswendig lernen.

 Doch es scheint zu funktionieren und die Kinder lernen etwas -  auf die ein oder andere Art und Weise.

 

 Meinen persönlichen Elan mit dem ich in den Unterricht gehe schmälert das keinesfalls und ich hoffe schwer, dass das so bleibt obwohl ich plane, in Zukunft auch an einer Junior oder Senior Highschool zu unterrichten um die dortigen Schüler, Lehrer und Gegebenheiten kennenzulernen.

 

 

Jonas