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I am the Gringe

Autor: JonasMoeller | Datum: 23 Dezember 2011, 21:09 | Kommentare deaktiviert

Dienstag, 20 Dezember

 

 

 Ich kann nicht von mir behaupten ich sei ein sonderlicher Weihnachtsfan. Heiligabend selber finde ich zwar ganz nett, aber alles davor geht mir ziemlich auf die Nerven. Der Schmuck, die weihnachtliche Stimmung, die Vermarktung von Weihnachten und auch der ganze Rest. Nicht zu vergessen das meist regnerisch-schlechte Wetter das in Göttingen zu Weihnachten herrscht.

 Nun ist in vier Tagen Weihnachten und wenn mir jemand erzählen würde, in vier Tagen sei der Sankt-Nimmerleins-Tag, dann würde ich das eher glauben. Bei 25 Grad Celsius, strahlender Sonne und Palmen ist Weihnachten schlichtweg surreal. Es gibt auch keine Nikolausmützen oder sonstigen Nonsens der ab Dezember furchtbar In ist in Deutschland. Ja, nicht einmal einen Adventskranz habe ich bislang entdeckt und so könnte Weihnachten beinahe völlig unbeachtet an mir vorrüber gehen.

 Aber eben nur beinahe, denn was Ghana an Schnee, Kaelte und Gluehwein fehlt machen die Ghanaer vor allem durch solch unsaegliche Lieder wie “Jingle Bells” oder “Feliz Navidad” wett, die auf und ab im Radio laufen. Klar, in Deutschland laufen die auch, aber dort ist wenigstens etwas von Weihnachten zu sehen und ich blende die Lieder einfach aus mit dem Gedanken:”Bald ist Weihnachten, das ist eben so”

 Doch ist hier nicht bald Weihnachten, zumindest fühlt es sich nicht so an als ob in vier Tagen Weihnachten sei, weshalb diese Weihnachtslieder schlichtweg nervtoetend sind.

 So bin ich denkbar weit von jeglicher Weihnachtsstimmung entfernt und bin darüber eigentlich auch ganz froh, aber wer weiß, vielleicht sollte ich Plätzchen backen um in passende Stimmung zu kommen.

 

Jonas

 

From Javo to Sir

Autor: JonasMoeller | Datum: 23 Dezember 2011, 21:08 | Kommentare deaktiviert

Dienstag, 20 Dezember

 

 Seit drei Wochen haben meine Schüler  mich nicht mehr „Javo“ gerufen. Was ist passiert? Sollten sie etwa tatsächlich Manieren gelernt haben? Ha! Weit gefehlt, vielmehr habe ich die Segel gestreckt und die Schule gewechselt.

 

 Unterrichten macht Spaß und ich habe in vorrangegangenen Blogeinträgen begeistert darüber berichtet, doch nachdem die anfängliche Euphorie nachgelassen hatte zeigten sich doch Mängel in meiner Arbeit auf.

 Das Hauptproblem war meine Unterbeschäftigung. Stundenpläne sind hier klassenübergreifend und da ich keine Klassen sondern Fächer unterrichtete began mein erste Pause bereits nach meiner ersten Unterrichtsstunde. Abgesehen davon waren sowohl I.C.T. als auch der Sportunterricht unbefriedigend. Bei Ersterem funktionierten meist Zwei von drei Computern nicht und der Unterricht bezog nur selten den tatsächlichen Gebrauch der Computer mit ein. Der Sportunterricht ist dank gleißender Sonne sehr anstrengend aber ertragbar, was mich irgendwann aber nur noch nervte war, dass außer Fußball sport-technisch nichts lief. Meine Versuche andere Spiele zu erklären und zu etablieren wurden von den mangelnden Englischkenntnissen der Schüler erfolgreich abgewehrt. Nach anderthalb Monaten ließ meine Arbeitsmoral deutlich zu wünschen übrig weshalb ich das für mich Richtige tat, ich wechselte die Schule.

 

 Seit Anfang Dezember arbeite ich nun an der „Mawuli Senior Secondary School“ als I.C.T. Lehrer. Man sieht deutlich, dass die Schule über ein ordentliches Budget verfügt; die Technik des Computerraum steht der meiner alten deutschen Schule in Nichts nach, es gibt Fachräume für alle Naturwissenschaften und dank der Hausmannschaften auch über ein ordentliches Sportangebot. Ja, richtig, Häuser, denn die Mawuli SHS ist auch ein Internat in dem Schüler mit Stipendium oder aus ferneren Städten wohnen. Das hohe Budget dieser Schule und jeder anderen SHS offenbart aber auch ein Problem des ghanaischen Schulsystems: wer gut durch die Grundschule kommt hat es geschafft, wer nicht, der fällt hinten runter. Eine bittere Pille, für mich war es trotzdem richtig zu wechseln und so ist mein Problem, die mangelnde Beschäftigung, Geschichte.

 Zwar habe ich noch keinen eigenen Unterricht da alle Schüler ihre Halbjahresexamen schreiben und regulärer Unterricht deshalb eh flach fällt, aber auch so bin ich von 7:30 bis 15:30 ausgelastet.

Denn wie jeder weiß haben Computer die Angewohnheit eigentlich immer irgendwelche Zicken zu machen und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht diesen Zicken Einhalt zu gebieten. Das bedeutet „Troubleshooting“ - zu deutsch Fehleranalyse und gleichzeitig mein persönliches Unwort des Jahres, bekomme ich doch bei reperaturbedürftigen Computern meist die Fehlerbeschreibung: „Irgendwas funktioniert nicht, finde raus was.“ Kein Problem, ich finde raus was und als Bonus behebe ich es auch. Diese Arbeit kann zwar sehr an den Nerven und der Ausdauer zehren aber mir macht es Spaß Fehler zu finden und zu beheben und bei Computerproblemen entwickle ich einen regelrechten Ehrgeiz die Kiste wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn das stundenlange Recherche im Internet bedeutet bei der am Ende herauskommt, dass ich mit dem Problem nicht allein da stehe, eine Lösung trotzdem nicht existiert.

 Um trotz meiner Arbeit nicht als totaler Nerd dazustehen führe ich außerdem die Deutsch-AG fort die mein Vorgänger gründete. Mir erzählte zwar niemand was von der AG und erst durch Schüler der Selbigen wurde ich darauf aufmerksam aber seitdem unterrichte ich Deutsch. OK, ich gebe zu, Unterricht ist es noch nicht, dafür sind die Schüler/-innen zu sehr von ihren Examen eingenommen weshalb ich eher didaktischen Smalltalk mit den Schülern führe um herauszufinden wie weit sie mit dem Lehrstoff sind und um ihnen die deutsche Sprache ein wenig näher zu bringen. Nächstes Halbjahr, also nach den anstehenden Weihnachtsferien, lege ich dann richtig los. Wer weiß, vielleicht kann ich am Ende des Schuljahres ein Unterrichtsgespräch komplett auf deutsch führen. Es soll zwar Leute geben die nach fünf Jahren Spanisch außer „No tengo los deberes“ keine geraden Satz rausbringen aber ich hoffe trotzdem. Die Motivation meiner Schüler stimmt auf jeden Fall.

 

 Abseits des Unterrichts trainieren die Haus- oder Schulmannschaften nachmittags häufig Basketball, Volleyball oder, wer hätte das gedacht, Fußball. Nun kann man mich nicht als großartigen Sportgucker (ich betreibe ihn lieber selbst) bezeichnen aber beim Training zu gucken hat dennoch Unterhaltungswert und ich ertappte mich dabei wie ich insgeheim hoffte unsere Mannschaft würde gewinnen als sie vor einigen Tagen zu einem Fußballturnier in den Norden ausrückte: Naja, soweit, tags darauf nach dem Ergebnis zu fragen, geht mein Interesse noch nicht.

 

 Nun habe ich allerhand Tolles geschrieben wie ich es schon zur Grundschule schrieb und gewiss spielt die Anfangseuphorie da mit rein, doch habe ich aus meinem vorherigen Arbeitsplatz gelernt und bin zuversichtlich, dass meine Motivation und Moral auch in Zukunft so bleiben. Die Zeichen dafür stehen gut: das Angebot an Unterricht und Aktivitäten ist breiter, ich bin von halb Acht bis Fünfzehn Uhr beschäftigt, ich kann mit Fünfzehn- bis Siebzehnjährigen bedeutend besser arbeiten, nicht nur weil sie alle und nicht nur ein kleiner Teil des Englischen mächtig sind und weil ich endlich vor „Javo“ verschont bin – zumindest während der Arbeitszeit.

 

 Jonas

 

Turtles at work

Autor: JonasMoeller | Datum: 23 Dezember 2011, 21:07 | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 11 Dezember

 

 Was ist gross, hat einen Panzer und schwimmt im Wasser? Richtig, Meeresschildkröten. Wann kann man sie bei einem Landgang beobachten? Auch richtig, beim Eier legen. Von Dezember bis Febuar schleppen sich Meeresschildkröten zur Eiablage auf den Strand. Passenderweise ist gerade Dezember, also bot sich dieses Wochenende ein Trip in den Kreissaal der Meeresschildkröten an.

 Es ging ins Flussdelta des Volta, genauer gesagt in ein Strandcamp direkt zwischen Atlantik und Volta gelegen. 150 Meter vom Ozean, direkt durch unser Camp und ich konnte im Volta weiter baden.       Doch von Anfang an, die Fahrt war, ich bin es nun schon gewohnt, nicht weiter nennenswert abgesehen von einer kleinen Machtdemonstration der örtlichen Staatsgewalt. Unser Trotofahrer hatte es doch tatsächlich gewagt OHNE doppelt und dreifaches OK durch einen Straßencheckpoint zu fahren wodurch er sich schutzlos der Laune der Polizei auslieferte. Es folgten anhalten, zurücksetzen, aussteigen, sich beleidigen lassen, Führerschein- und Fahrzeugkontrolle, weitere Unhöflichkeiten mit anschliessender Diskussion. Auf die Frage, wie lange der Austausch von Nettigkeiten wohl dauern würde kam die Antwort: ”Lange wenn der Fahrer den Polizisten kein Bestechungsgeld gibt” Er tat es nicht weshalb wir geschlagene Zwanzig Minuten warteten ehe es weiter ging. Berichtenswert ist auch die Tatsache, dass für die allgemeine Zurechtweisung und die Führerscheinkontrolle tatsächlich alle fünf Polizisten am Checkpoint involviert waren. Einer schnauzt den Fahrer an, einer schreibt die Personalien auf eine Zeitung und die anderen Drei stehen rum und grinsen, derweil werden folgende Trotos die den Checkpoint passieren völlig ignoriert. Da soll nochmal einer sagen deutsche Beamte seien ineffektiv.

 Abgesehen von diesem unfreiwilligen Aufenthalt wurde es erst wieder spannend als wir an unserem Ziel ankamen. Von dort ging es nämlich mit einem Motorboot über den Volta zu unserem Camp. Sehr entspannte finale fünfzehn Minuten Reise in denen ich die frische Luft und den allgemeinen Ausblick auf eine tolle Flora genieße. Im Camp angekommen steht selbstverständlich als Erstes Zimmer beziehen auf dem Plan. Zugegeben, Hütte trifft es eher, eine Hütte die aus Ästen und geflochtenen Palmblättern gebaut ist und als Boden Sand ist. Das ist ökonomisch sinnvoll, schließlich war der schon da. Immerhin hatte das Fenster ein Fliegengitter, da müssen die Mücken den Umweg durch die zig anderen Lücken nehmen.

 So, nun am zum eigentlichen Thema, den Schildkröten. Ab Neun fangen sie an das Meer zu verlassen um ihren Nachwuchs im Sand zu vergraben. Also ging es unter herrlichsten Vollmondschein und einem Firmament, das selbst dem der ISS Konkurrenz macht auf zum Strandspaziergang mit hoffentlich animalischer Extravorstellung. Hoffentlich, den die Chance welche zu sehen betraegt fifty-fifty. Wir haben die falschen Fuenfzig erwischt und gingen an diesem Abend leer aus. Etwas enttäuscht ging es ins Bett. Welch Glück, dass das restliche Setting so toll war, denn am nächsten Tag war die Enttäuschung wie weggeweht und es stand aktives Nichtstun auf dem Plan, gewürzt mit gelegentlichem baden. Immerhin ein erholsamer Tag den wir gerade mit einer Runde schwimmen, diesmal dem Kartenspiel, abschlossen als uns ein Mitarbeiter des Hotels darüber in Kenntnis setzte, man habe eine Schildkröte gesichtet. Augenblicklich war das langweilige Kartenspiel vergessen und wir stürmten fast hinter dem Guide hinterher, elektrisiert von dem kommenden Schauspiel.

 Und das hatte es in sich. Glücklicherweise war eine Riesenschildkröte (nach eingängiger Wikipediarecherche glaube ich es ist war eine Grüne Meeresschildkröte) zu Gange ihrer Eier im Sand zu vergraben. Der Name Riesenschildkröte trifft es ganz gut, mit gut zwei Metern Länge, ebenso großer Spannweite und laut Führer bis zu 200 Kilo gehörte unser Exemplar ganz sicher nicht zu den Fliegengewichten der Schildkröten. Umso erstaunlicher war es, mit welcher Behändigkeit Sie erst ein Loch mit ihren Hinterflossen grub, ihre Eier rein legte um sie daraufhin wieder zu vergraben. Das Ganze dauerte knapp drei Stunden was auch Ihr erschöpftes Gekeuche erklärte. Doch trotz aller Mühsal machte die Schildkroete sich die Mühe fünfmal im Kreis zu kriechen um die Spuren ihrer Eiablage zu verwischen und damit etwaigen Nesträubern das Leben schwer zu machen.

 Nachdem die Schildkröte sich zurueck in Richtung Meer machte und die Wellen des Atlantik sie verschluckten war es zwei Uhr, wir müde dafuer aber begeistert vom eben Erlebten.

 Am nächsten Tag, ein Sonntag, stand dann die Heimreise auf dem Programm, die allerdings auf einer etwas anderen Route als der Hinweg lief. Es ging via Motorboot durch die einzelnen Flussarme quer durch das Flussdelta nach Keta, um von dort aus den weiteren Rückweg per Troto anzutreten. Man versicherte uns es sei eine Abkürzung. Eine ghanaische Abkürzung. Weder war es wirklich kürzer noch kamen wir in Keta an, wir mussten von irgendeinem Fischerdorf ein Taxi nach Keta nehmen. Sauer waren wir nicht, entschädigte doch die Bootsfahrt mit ihrem tollen Blick auf Fischer, ihre Boote und Mangroven für alles. Auf dem Rückweg dann passierte das, was auch schon auf der Hinreise passierte: Der Fahrer legte sich mit der Polizei an. Zurecht wie ich finde aber trotzdem durfte er seinen Führerschein und sogar sein Warndreieck  (ja, so Etwas gibt es hier) vorzeigen und sich einige nette Worte von den Polizisten anhören.

 Die Moral von der Geschichte: Meeresschildkröten sind ziemlich beeindruckend und keine zehn Pferde bringen mich dazu mich mit der Exekutive anzulegen.


Jonas