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emotional AFCON is emotional

Autor: JonasMoeller | Datum: 17 Februar 2012, 13:08 | Kommentare deaktiviert

 Freitag, 17 Februar

 

 Ein PKW bietet bekanntermaßen fünf Sitzplätze. Zwei vorne, drei hinten. Bei akutem Platzmangel findet man auch noch im Kofferraum Platz und man kann es sich in den Türen bei heruntergerollten Scheiben bequem machen. Platzmangel ist aber nicht immer nötig um sich in die Fenster zu setzen. Manchmal reichen vier Bier und ein Sieg Ghanas über Tunesien im Viertelfinale des „African Cup of Nations“. So geschehen am 05.02.2012.

  Ghana konnte sich 2:1 durchsetzen und aus meiner Feierlaune heraus konnte ich mich auf die Tür setzen, durch Ho cruisen, „GHANA!“ brüllen und mich von den Mengen auf den Strassen bejubeln lassen.

 

 Wie ich häufig genug erwähnte ist Fußball gucken eigentlich nichts für mich, aber mich von der Euphorie nicht mitreißen zu lassen, die nach jedem Sieg Ghanas wie eine Welle durch die Straßen schwappt, ist schon schwierig.

 Da wäre zum einen das Gejohle das mich immer darauf hinweist, dass die „Black Stars“, der Spitzname der Nationalmannschaft, ein Tor geschossen haben. Oder das anschließende Hupkonzert. Auch schön anzusehen sind die ghanaischen Flaggen die als Verzierung für Motorhaube oder Fahrradlenker dienen sowie als modisches Accessoire für Kopf, Hüfte, Handgelenk, Schulter oder Knöchel.

 Getoppt wird das ganze nur noch, wenn man mit sehr netten ghanaischen Zeitgenossen die Spiele guckt und mit ihnen anschliessend ordentlich feiern geht.

 

 Doch je höher man klettert, desto tiefer ist der Fall und der Fall Ghanas, und damit auch meiner, war ganz besonders tief als Ghana gegen Zambia verlor. Ein Gegner, der von allen, auch von mir, als absoluter Snack gesehen wurde. Tatsächlich hat Zambia in meinen Augen ziemlich mies gespielt nur spielte Ghana noch mieser. Am Ende hieß es 1:0 für Zambia. Die Stimmung in Ghana war mies und auch mein Abend war absolut gelaufen. Das direkt darauffolgende Spiel der Elfenbeinküste gegen Mali schaute ich nur, weil Cyrus die Elfenbeinküste noch vor Beginn des „AFCON“ als Gewinner deklarierte. Cyrus hat Ahnung, also war mein neuer Favorit kurzerhand die Elfenbeinküste nach der deprimierenden Niederlage der „Black Stars“ und tatsächlich konnte sich die Elfenbeinküste gegen Mali durchsetzen und zog damit gegen den Snack Zambia ins Finale ein. Mali und Ghana spielten derweil um den dritten Platz und es wunderte mich nach der katastrophalen Leistung gegen Zambia nicht, dass Ghana verlor.

 Ich hängte all meine Hoffnungen derweil an die Elfenbeinküste.


 Das Finale das dann letzten Sonntag gespielt wurde war wohl das spannendste der wenigen Spiele die ich jemals guckte. Effektiv fiel bis zur 120. Minute kein Tor aber ich hätte nie gedacht, dass ein Unentschieden so spannend sein kann. Aber nah an eine Herzattacke kam es erst, als es zum Elfmeterschießen kam. Einatmen wenn die Elfenbeinküste schoß, ausatmen wenn Zambia schoß. Zwei Mal schoß die Elfenbeiküste daneben und einmal machte es Zambia ebenso. Beim zweiten Mal, dem siebten Elfmeter insgesamt, verfehlte die Elfenbeinküste während Zambia traf. Platz Zwei für die Elfenbeinküste und ein kleiner innerer Tod für mich. Ich konnte tatsächlich nicht fassen, dass Zambia, der verhöhnte Snack, gewann und jetzt, wo ich diesen Text schreibe, kann ich nicht fassen, dass ich mich tatsächlich so in Fußball hineingesteigert habe.

 

 Fußball ist nichts für mich.

 Es ist zu emotional und tut meinem Herzen nicht gut.

 

 

 

Jonas

 

 

And then tey're eatin' da Fufu

Autor: JonasMoeller | Datum: 16 Februar 2012, 15:48 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 16 Februar 

  Es gibt viele Weltklasseköche auf dieser Erde, aber nur wenige, die zu dem elitären  Zirkel jener Köche gehören die es schaffen Wasser zum anbrennen zu bringen. Ich gehöre zu diesem Zirkel. Ich bin wirklich ein erstaunlich mieser Koch was mir aber nicht sonderlich viel ausmacht. Ich esse alles und Quantität geht sowieso vor Qualität weshalb ich mit meinen rudimentären Kochkünsten bislang gut über die Runden gekommen bin. Und meist hat ja eh Mami für mich gekocht. Diese Zeiten waren schlagartig vorbei als ich in Ghana ankam. Nicht nur dass Mami mich nicht mehr durchfüttern konnte, nein, es gibt nicht mal die Zutaten für die „Gerichte“ die ich kochen kann. So blieben für mich nur drei Optionen: verhungern, ausserhalb essen, kochen lernen. Verhungern kommt selbstverständlich nicht in Frage, blieben also noch zwei Optionen. Und tatsächlich habe ich bislang drei Gerichte gelernt und bin begierig darauf mehr zu lernen. Die Gerichte wären Fried Rice, Jollof Rice und Stew. Und ja, alle drei entfachen bei Genuss ein Feuerwerk das die Geschmacksknospen vor Freude tanzen lässt. (So oder so ähnlich ist das ganz sicher vielleicht) Die dritte Option ist außerhalb essen und diese Option ist mir die Liebste, schließlich will ich die Wirtschaft Ghanas unterstützen. (Böse Zungen behaupten ich sei zu faul zum kochen) 

 Die Orte an denen ich mein Geld dann lasse sind die bereits vielfach erwähnten Chop Bars die wirklich überall am Strassenrand stehen und Reis, Spaghetti, Banku, Fufu oder Kenkey verkaufen. Reis und Spaghetti sind natürlich bekannt aber was zum Teufel ist Fufu, Banku oder Kenkey? 

 Nun, Fufu ist das Nationalgericht Ghanas (wie in Deutschland der Döner) und wird aus Maniok und Kochbananen bereitet. Beides wird in einem übergroßen Mörser mit einem mannshohen Stößel zu Klossteig verarbeitet und anschliessend auch zu einem Kloß geformt und mit Erdnuss-, Tomaten- oder Okrasuppe serviert.  Banku ist im Prinzip das Gleiche wie Fufu, besteht allerdings aus Mais- und Maniokmehl und wird nicht gestampft sondern gerührt. Auch Banku wird in Kloßform mit Erdnuss- oder Okrasuppe serviert. Selten auch mit scharfer Tomatensoße. Kenkey ist das dritte Gericht im Bunde der kloßartigen Gerichte und wird mit meist mit scharfer Tomatensoße oder Okrasuppe aufgetischt. Es besteht nur aus Maismehl und wird passenderweise auch in Maiskolbenblätter eingewickelt und serviert. Alle drei Gerichte werden mit den Fingern gegessen.

 Das hat Vor- wie Nachteile. Der Vorteil liegt auf der Hand: mit Fingern essen ist der Hammer und macht tausendmal mehr Spaß als essen mit Besteck. Und man spart sich den Abwasch! Der Nachteil ist, dass man nicht kalt kochen kann und sich deshalb beim Genuss dieser Speisen chronisch die Finger verbrennt. Aufgelockert werden die genannten Gerichte durch frittierte Kochbananen, gegrillte Kochbananen, gekochte Kochbananen, Kochbananenchips, frittiere Süßkartoffel und frittierte Yams. Als carnivore Beilagen dienen hauptsächlich Huhn und Fisch, in Restaurants und seltener auch an Chop Bars werden auch Rind, Schwein, Ziege und, sehr lecker, Buschratte angeboten.  

Das Frühstück ist in Ghana nicht allzu ausgebreitet. Häufig wird wenig oder garnichts gegessen. Und wenn, dann sind es Weißbrot (zum Teil mit Fried Egg), Haferflocken, Porridge, gekochte Eier, Früchte oder Kossi. Bei Letzterem habe ich keine Ahnung woraus es besteht, es schmeckt aber erstklassig. Es ist irgendein frittiertes Gebäck. Bei all den frittierten Speisen keimt der Verdacht, Ghanaer stehen auf Öl und so ist es auch. Soßen und Suppen bilden häufig Fettaugen die figurbedachte Menschen blankes Entsetzen einflössen. Die bereits erwähnten Früchte sind in ihrer Vielfalt tropengerecht und Bananen, Orangen, Mangos, Ananas, Melonen und Maracujas die es hier gibt sind mit denen in einem deutschen Supermarkt nicht zu vergleichen, sie spielen schlichtweg in einer höheren Liga. Als Tropenlolli dient Zuckerrohr das man nur schälen und lutschen braucht um seinen Zähnen die reinste Kariesfreude zu bereiten.  

 Obwohl Ghana ein bekanntes Exportland für Kaffee und Kakao ist wird hier beides nicht konsumiert. Das Beste was man hier bekommt sind Nescafé Pulverkaffee und ein Kakaoverschnitt names „Milo“ von Nestlé. Beides boykottiere ich nicht weil Nestlé ein ach so menschenverachtender Konzern ist sondern weil es schlichtweg nicht schmeckt. Ich bleibe bei Wasser und Bier.  Die Ghanaer behaupten sie brauen das beste Bier der Welt, als Deutscher kann ich darüber natürlich nur lachen, muss aber zugeben, dass Sie im internationalen Schnitt weiter vorne liegen. Neben der nichtheimischen Marke Guiness gibt es die rein ghanaischen Marken „Star“, „Club“, „Gulder“ und „Stone“. Alle schmecken gut und werden selbst von mir, eigentlich einem reinen Weißbiertrinker, gern getrunken.  

 Was ich an der „Gastronomie“ hier in Ghana schätze ist ihre Omnipräsenz. Wie gesagt gibt es Chop Bars überall, Früchtestände ebenfalls und es gibt auch überall Händler die ihre feilgebotenen Fressalien auf dem Kopf transportieren und quasi zu den Käufern kommen. Auf Reisen in einem Troto nimmt das interessante Züge an denn dort kommen sie an Mautstellen oder Kreuzungen mit ihren Waren auf dem Kopf zu den Trotos angerannt und prügeln sich um die hungrige, reisende Kundschaft. So muss ich mir nie Sorgen um mein Frühstück machen wenn ich reise. In fünf Kilometern kommt schon ein Frühstück zu mir nach dem mir gerade der Sinn steht. 

 So, dass war jetzt eine kleine Exkursion in die kulinarische Welt Ghanas. Sie ist noch größer und auch ich kenne sie noch nicht vollständig, aber ich habe vor sie weiter kennen zu lernen und euch dann zu Hause mit meinen Kochkünsten zu vergiften... aehh, ich meine natürlich zu beglücken.  

Jonas

 

Money makes the world go round

Autor: JonasMoeller | Datum: 16 Februar 2012, 13:47 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 16 Februar

  Der Großteil der Verbraucher ist der Meinung, dass Preiserhöhungen eine absolute Unverschämtheit seien und der Meinung bin ich auch. Man verlangt doch tatsächlich 1,50 Cedi anstatt zumutbarer 1,30 Cedi für einen Sack Wasser. Oder etwa für ein gekochtes Ei: 50 Pesewas wo sie früher 40 Pesewas kosteten. Dreist! Das sind zwar in Euro umgerechnet nur zehn und fünf Cent Preissteigerung, aber trotzdem… Diese Preistreiberei hat mich dann auch dazu bewegt euch etwas über das Geld in Ghana zu erzählen und noch viel wichtiger, wieviel es wert ist. 

 Der Wechselkurs von Euro in Cedi schwankt momentan zwischen 1:2 und 1:2,3. Fuer alle die in Mathe nicht aufgepasst haben (so wie ich), für einen Euro bekommt man zwischen zwei Cedi und zwei Cedi dreißig. Das war nicht immer so. Noch vor sechs Jahren bekam man für einen Euro noch 20.000 Cedis.  Im Jahre 2007 sagte dann der damalige Finanzminister:”ich hab keinen Bock mehr schubkarrenweise Geld durch die Gegend zu schieben von dem ich mir dann doch nichts leisten kann!”, und erhöhte den Wert des Cedi um den Faktor 10.000. (Der genaue Wortlaut ist mir jetzt nicht bekannt, aber so ist es ganz sicher vielleicht abgelaufen) Leisten konnte sich das Ghana durch sein gutes Wirtschaftswachstum und den Fund von Erdöl. Nun kann man am Markt im Kopf mitrechnen ohne die Fantastillion Grenze zu durchbrechen. Verwirrt bin ich trotzdem manchmal weil einige Händlerinnen noch mit der alten Währung rechnen und mir ab und zu die Angst einjagen ich hätte gerade aus Versehen ein neues Auto für 10.000 gekauft anstatt eines Tellers Fufus.  

 Doch lässt man sich von solch hohen Zahlen nicht verwirren ist das Leben in Ghana recht günstig. Früchte kosten selten mehr als ein Cedi und für eben diese Menge kriegt man schon so sieben bis zehn Bananen die als hervorragendes Frühstück dienen. Selbstverständlich sind auch alle anderen Nahrungsmittel günstig und ich langweile euch nicht mit einer Preisliste. Stattdessen beschreibe ich, wie schwer es anfangs ist mit einer fremden Währung zu zahlen und was für ein Pfennigfuchs ich inzwischen bin. Zu Beginn wusste ich nicht einmal wieviel Euro ein Cedi sind weshalb ich völlig planlos mein Geld aus dem Fenster schmiss und mich regelmäßig von Taxifahrern über den Tisch ziehen ließ. In dieser Zeit kam es mir zu Gute, dass in Ghana nicht gehandelt wird. Ich bin furchtbar schlecht darin und werde als Weißer eh verarscht wenn auf dem Markt gehandelt würde. Das ist nicht der Fall und die Händlerinnen gucken auch sofort verstimmt wenn man anfängt die Gurke von 50 Pesewas auf 40 runter zu handeln. Ich konnte zunächst garnicht glauben, dass nicht gehandelt wird, erfuhr ich doch in Tanzania etwas gänzlich Anderes, aber tatsächlich bezahlen mein Nachbar oder mein Mentor genau die gleiche Summe. Mir gefällt das sehr gut, erspart es mir doch das Gefuehl, dass egal wie eisenhart ich auch runterhandle, am Ende immer noch zu viel zahle. 

 Im Laufe der Zeit entwickelte ich dann ein Gefühl für die ghanaische Währung und fand außerdem die besten Stände mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis. Ich kriege nur 3 Bananen für 50 Pesewas an Stand A? Kein Ding, gehe ich eben zwei Minuten weiter ich bekomme fünf Bananen für die selbe Summe. Nach fünf Monaten weiß ich auch wo die günstigsten Chop Bars mit den besten Gerichten stehen.  Wenn ich anfangs ein Preis als zu teuer empfand rechnete ich ihn in Euro um, merkte wie wenig Geld das eigentlich ist und bezahlte ihn dann. Diese Zeiten sind auch vorbei. Das Denken:”in Euro ist es ja billig” ist vorrüber, jetzt ist alles ghanaisch teuer oder billig, den Euro gibt es in meinem Denken nicht mehr.

 Na gut, manchmal doch, wenn ich von Ho nach Accra fahre und mir bewusst wird, dass ich für umgerechnet 3,50Euro 160 Kilometer durch’s Land komme. In Deutschland muss ich 6 Euro bezahlen um ins Nachbardorf zu gelangen. In diesem Zusammenhang wird mir dann auch immer bewusst wieviel Geld ich in meinem Leben um 1 Uhr nachts bei McDonalds gelassen habe und wieviel Reis mit Stew ich mir davon hätte kaufen können. 

 Wenn ich es genau betrachte sind die Preiserhöhungen garnicht soo unverschämt.  

 

Jonas