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Die alte Leier der Fotos

Autor: JonasMoeller | Datum: 29 März 2012, 13:39 | Kommentare deaktiviert

ja, ich weiss, dass ihr Fotos sehen wollt. Ja, ich mache auch welche, nein, ich habe sie noch nicht hochgeladen. Ja, ich mache das bald.

Zu den Shai-Hills muss ich sagen, dass ich in einem Rausch geistiger Brillianz meine Kamera vergessen habe. Es gibt also Fotos, die hab ich nur nicht, dass heisst  Shai -Hills gibt es erst in zu Betrachten wenn ich wieder in Deutschland bin.

Doch um euch zu troesten (oder euren Zorn zu baendigen, man weiss ja nie) kuendige ich hiermit die kommende mega-superduper-ultra-bombastische Fotoreihe mit dem Thema "Ostern in Ghana" an.

Nein, jetzt im Ernst, am 9ten April fangen die Ferien an, dann gehts auf Reisen, dann gibt es Fotos. Vom Volta, vom Mole Nationalpark, von Kumasi und was ich sonst noch so sehen werde.

 

Jonas

 

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Autor: JonasMoeller | Datum: 29 März 2012, 13:38 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 29 März

 

 

 

 Eine Bekannte, die zwei Jahre in Mosambik lebte und arbeitete, sagte mir einmal, sie hätte während ihrer Zeit dort ein Stückchen ihres Herzens an Mosambik verloren. Ich habe es damals nicht geglaubt. Soo intensiv kann ein Leben in einem anderen Land nicht sein, dass man gleich ein Stück Herz da lässt.

 

 Jetzt verstehe ich es und dabei sind erst sechs Monate meiner Zeit um.

 Ich schlenderte letztens durch die Straßen Hos und stieß dabei auf einen Fried-Egg stand denn ich vorher noch nie wahrgenommen hatte. Selbstverständlich zögerte ich nicht lange mir zwei Eier zu bestellen. Ich wollte also mein Portmonnaie zücken um die Rechnung zu begleichen und musste dabei feststellen, dass ich meine Geldbörse in jugendlichem Leichtsinn zu Hause gelassen hatte obwohl mir eigentlich klar ist, dass man immer und überall über kulinarische Köstlichkeiten stolpern kann (oder alternativ irgendwelche anderen Dinge die eigentlich sofort gekauft werden müssten). Mir blieb also nichts anderes übrig als die Bestellung zu känzeln und mich dafür zu schämen, dass ich ausgerechnet als Weißer kein Geld dabei hatte. Ich wäre hungrig nach Hause gegangen wenn, ja wenn nicht eine anwesende Dame mal wieder eindrucksvoll ghanaische Gastfreundschaft bewiesen hätte. Sie zeigte echtes Mitleid an meiner Misere und lieh mir zwei Cedi, sodass ich doch noch zu meinem Abendbrot kam. Beim Verzehr unterhielt ich mich noch nett mit den Anwesenden und hatte prompt eine neue Handynummer eingespeichtert. So schnell kann es gehen neue Bekanntschaften zu knüpfen. (Zum Verstaendnis: Handynummern austauschen ist hier der erste Schritt zu weiterem Kontakt)

 

 Das ist nur ein Beispiel von vielen Begebenheiten hier die ich ständig neu erlebe. Ich fühle mich schon lange nicht mehr fremd und ich würde auch von mir behaupten Ghana und insbesondere Ho inzwischen gut zu kennen, doch über solch kleinen Dinge bin ich immer wieder erstaunt und froh darüber sie erleben zu dürfen.

 Wie ich in meinem ersten Bericht schon ankündigte, wechselte ich meinen Arbeitsplatz zur Mawuli Senior Secondary School. Dort bin ich immer noch tätig und kann nur bestätigen was ich anfangs prophezeite, nämlich dass die Arbeit hier viel besser für mich ist. Es macht mir immer noch Spaß Rechner zu reparieren und Schülern sowie Lehrern bei Problemen zu helfen. Auch wenn das manchmal bedeutet Geduld zu zeigen, der Grad der Medienkompetenz schwankt sehr stark. Am Montag kam ein älterer Lehrer zu mir und wollte einfach nur seine e-Mails lesen. Es dauerte satte zehn Minuten in zu seinem e-Mailfach zu lotsen damit er es beim nächsten Mal selber machen kann. Die Frage wie er es überhaupt geschafft hat sich ein e-Mail Konto anzulegen konnte ich mir zum Gück verkneifen. Oder heute kam eine Schülerin zu mir und wollte die botanischen Namen aller, wirklich aller Pflanzen und Tiere. Ich brauchte zehn Minuten Überzeugungsarbeit um ihr klar zu machen, dass es keine vernünftige Liste im Internet gibt und es selbst dann wenig Sinn macht eine Liste mit mehr als einer Million Einträgen auszudrucken mit der sie dann doch nichts anfangen kann. Ganz zu schweigen von Papier- und Druckfarbverbrauch.

 

 Trotzoder vielleicht gerade wegen solcher Dinge macht mir die Arbeit hier Spaß und ich stehe jeden Tag gern auf. Selbst um sieben Uhr morgens.                                                               Dazu  veranstalte ich Dienstags und Donnerstags den Deutsch-Club. Der hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens ist Deutsch eine verdammt schwere Sprache, ich musste die Frage: „gibt es auch einen einfachen Weg Deutsch zu lernen?“ leider mit einem Nein beantworten. Zweitens hatten es Schullehrer um 1800 verdammt schwer, schließlich waren damals mehrere Klassen in einem Raum untergebracht. Ein ähnliches Problem habe ich leider auch. Es gibt drei Schüler die schon seit Beginn dabei sind und dementsprechend fortgeschritten sind und es gibt eben die Neuen für die Deutsch eine gänzlich neue Sprache ist. Beide Level sitzen in einem Raum was es mir schwer macht beiden Gruppen mit meinem Unterricht gerecht zu werden. Doch auch das ist letzlich ein lösbares Problem und der Umstand, dass die Schüler regelmässig zu einem freiwilligen Kurs erscheinen und dass eine Schülerin sogar sagt Deutsch sei ihr Lieblingsfach treibt mich regelrecht dazu eine Lösung zu finden.

 Neben der Schule gibt es auch immer noch das Straßenkinderprojekt, dass eigentlich auch noch stattfindet. „Eigentlich“ deshalb, da es aufgrund Geldnot und Feierlichkeiten, in die die Kindern involviert sind, in letzter Zeit häufiger ausfallen musste. Der herzensgute Charakter der Leiterin Olivia macht diesen Missstand aber mehr als wett und wenn die Kinder nicht da sind werden eben kurzerhand Yams und Kartoffeln eingepflanzt. Eine Arbeit die mir genauso viel Spaß macht wie meine schulische Tätigkeit, lerne ich doch dabei eine ganze Menge über örtliche Land- und Subsistenzwirtschaft.

 

 Das führt mich zu einem Umstand den ich manchmal ein wenig bedauere. Und zwar, dass ich nicht in einer Gastfamilie wohne. Ich lebe meinen Alltag hier, aber mich reizt es sehr mal den Alltag einer ghanaischen Familie zu erleben. Von morgens bis abends. Selbstverständlich kriege ich häufig Ausschnitte mit, aber nie das große Ganze. Natürlich bin ich dann auch wieder ständig froh nicht in einer Gastfamilie zu wohnen. Ausschlaggebend hierfür sind wohl bedeutend mehr persönliche und häusliche Freiheiten. Mal sehen, vielleicht gebe ich mich für einen Monat zur Adoption frei.

 

 Das sind jedoch Kleinigkeiten. Ich fühle mich hier sehr wohl und bin jeden Tag auf’s Neue glücklich darueber hier zu sein. Selbst wenn ich mal Langeweile habe, so habe ich immer noch in Ghana Langeweile und nicht in Deutschland. Das ist ein gigantischer Unterschied. Nur eine Sache macht mir wirklich zu schaffen und zwar, dass die Regenzeit dieses Jahr auf sich warten lässt. Anfang März regnete es schon einige Male und ich freute mich schon auf herrlich frisches, kühles Wetter doch momentan knacken wir lediglich regelmässig die vierzig Grad. Ist euch eigentlich bewusst wie unendlich nervig es ist einfach immer zu schwitzen, selbst wenn man im Schatten sitzt? Eins kann ich jetzt schon sagen, mein nächstens Jahr im Ausland absolviere ich in Sibirien oder Alaska.



Jonas

 

 

Independence Reloaded

Autor: JonasMoeller | Datum: 29 März 2012, 13:32 | Kommentare deaktiviert

Dienstag, 6 März

 

 Quizfrage: was haben der sechste März, der vierte Juli und der dritte Oktober gemeinsam?

 Richtig, alle genannten Daten sind Nationalfeiertage und da der dritte Oktober der Tag der deutschen Einheit ist und der vierte Juli der US-amerikanische Unabhängigkeitstag bleibt für den sechsten März nur Ghana übrig.

 Am sechsten März 1957 löste sich Ghana, damals noch unter dem Namen der Goldküste, vom Vereinigten Königreich und erlang so seine Unabhängigkeit. Der Feiertag selber fällt also auf den sechsten März. Die Vorbereitungen gehen aber schon zwei Wochen vorher los denn alle Schulen sind aufgefordert Teil der Parade zu sein die an diesem Tag im Stadion Hos stattfindet. Jede Schule wählt Schüler aus die representativ für die Schule bei der Parade marschieren. Und das muss selbstverständlich geübt werden. Also fällt bereits zwei Wochen vorher für alle marschierenden Schüler der Unterricht teilweise flach und stattdessen üben sie marschieren, stramm stehen und die Sonne ertragen.

 Wie es scheint hatte meine Schule genug geprobt denn ich konnte bei der Parade keinerlei Fehler entdecken. Doch der Reihe nach. Die Feierlichkeiten sollten um 08:30Uhr anfangen, also kamen wir um halb zehn, in Ghana geht schließlich nichts pünktlich los. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder denn als wir am Paradeplatz ankamen war selbiger schon gerammelt voll und die Gruppen standen bereits in Reih und Glied auf dem Platz. Neben sämtlichen Primary Schools, Junior- wie Senior High Schools waren ausserdem die Polizei, nebst ihrer Kadetten, die Feuerwehr, die Marine, die Armee, der Grenzschutz, weitere staatliche Institutionen und NGO, die im Gesundheitswesen tätig sind, mit einem Paradekorps vertreten. Bei letzterem marschierte unser Mentor als Kopf seiner Gruppe vorweg. Er machte einen tollen Job.

 Da wir, wie bereits erwähnt, zu spät kamen standen alle Gruppen bereits auf ihrem Platz und brieten in der Sonne während der Regional Director der Volta Region, das ghanaische Pendant zum (Landeskanzler), auf einer Tribüne eine Rede hielt. Beziehungsweise viele kleine Reden, zwischendurch verteilte er Auszeichnungen an die Paradekorps. Von den Reden verstand ich leider kein Wort da ich ungünstigerweise genau auf der anderen Seite des Platzes der Parade beiwohnte. Aber vermutlich hätte ich eh nicht hingehört denn ich war zu fasziniert von den bunten Uniformen der Schulen und dem Treiben abseits der Laudatio des Regional Directors. Zum Beispiel beobachtete ich aufmerksam die Arbeit der „Ghana Red Cross Society“ die sich um all jene kümmerte deren Kreislauf sich zwischenzeitlich verabschiedete. Obwohl ständig Helfer durch die Gruppen wuselten um Wasser zu verteilen, sackten einige Paradesteher zusammen und mussten auf einer Trage abtransportiert werden. Das ist wenig verwunderlich, denn alle Marschierenden hatten zwei Stunden in der sengenden Hitze der ghanaischen Sonne zu stehen die an diesem Tag, wie eigentlich immer, ganze Arbeit leistete. Im Nachhinein wurde mir erzählt, dass gerade zu Anfang, also als die Gruppen auf den Platz marschierten, die Leute reihenweise umgekippt seien und ich nur ein, zwei Beispiele gesehen habe.

  Interessant mit anzusehen war die Reaktion der Zuschauer auf eine abgefeuerte Panzer-Abwehr-Kanone. Das Militär hatte nämlich nicht nur seinen Paradekorps mitgebracht sondern auch eine PAK die zunächst nur zur Schau neben dem Platz stand. Die nichts ahnenden Zuschauer die der Kanone den Rücken zukehrten stoben erschroken auseinander als Soldaten die Panzer-Abwehr-Kanone mit einer Platzpatrone luden und abfeuerten. Solch großen Patronen geben einen guten Knall ab wenn sie gezündet werden und ich bin, meiner Trommelfelle zuliebe, ein bisschen froh darüber, dass ich nicht unmittelbar neben der Kanone stand. Nach drei Platzpatronen war das Spektakel auch schon wieder vorbei und ich konnte mich wieder der Parade selbst widmen.

 Es wurde noch eine Weile geredet und rumgestanden, wobei ein weiterer Kreislauf den Dienst quittierte und bald darauf setzten sich die Gruppen in Bewegung um in musikalischer Begleitung des Polizeiorchesters den Platz im Gleichschritt zu verlassen.

 Godwin, unser Mentor, bot, nachdem er genug marschiert war, HIV-Tests für alle an, die Interesse daran hatten. Eine recht spannende Arbeit, bei der ich gern geholfen hätte, aber leider warteten ein Treffen mit Freunden und damit Fufu mit Grascutter auf mich. Nach der Parade war der Tag garnicht so anders wie ein normaler Tag. Die Taxen fuhren, die Chop Bars hatten geöffnet und Straßenhändler boten ihre Waren feil. Aber die Atmosphäre, die Stimmung in den Straßen war irgendwie eine Andere. Jedermann schien gute Laune zu haben auch wenn nur dem täglichen Geschäft nachgegangen wurde.

Abends wurden wir dann gleich nochmal eingeladen, diesmal von Seth, unserem Nachbarn. Auch mit ihm hatten wir gute Gesellschaft und für mich war es nur der krönende Abschluss für einen schönen und sehr interessanten Tag.

 Doch dieser Unabhängigkeitstag hat auch herbe Kritik an den Feierlichkeiten ausgelöst und die Frage aufgeworfen ob die Parade denn wirklich notwendig ist. Grund dafür ist eine Vierzehnjährige die während der Vorbereitungen für die Parade zu Tode gekommen ist. Sie war scheinbar krank, brach bei den Uebungen zusammen und wurde im Krankenhaus dann für tot befunden. Es wurde national eine Schweigeminute ausgerufen und dieser Unglücksfall zog eben diese Kritik an der Tradition nach sich. Kritik, die ich nachvollziehen kann, denn ich konnte ja selbst sehen, wie hart die Bedingungen für die Marschierenden während der Parade sind und ich bin verwundert, dass kein Kind einen Kreislaufzusammenbruch erlitt.

 Nichts destro trotz war es schön mit zu erleben, wie die Ghanaer ihren höchsten Feiertag begehen.

 

Jonas

 

 

Monkeys vs. Ostriches

Autor: JonasMoeller | Datum: 01 März 2012, 11:01 | Kommentare deaktiviert

 

Dienstag, 28 Februar

 

 

Am sechzehnten Februar war Bergfest hier in Ghana. Es handelt sich bei diesem Fest weniger um ein ghanaisches Volksfest als viel mehr um eine eine norddeutsche Bezeichnung für „wir sind über’n Berg”
 In der Tat bin ich seit nun mehr f
ünf Monaten hier in Ghana und habe damit die Hälfte erreicht.
 Das ist ein sehr merkw
ürdiges Gefühl, da ich jetzt die Monate runterzähle und nicht aufzähle. Sagte ich am Anfang:„Wow, ich bin schon vier Monate hier”, so sage ich jetzt:„Wow, ich bin nur noch fünf Monate hier”
 Ein sehr merkw
ürdiges Gefühl in Anbetracht der Tatsache, dass ich geschätzt vor einer Ewigkeit hier angekommen bin. Das Ganze ist recht schwer zu beschreiben, deshalb langweile ich euch nicht weiter mit wirren Beschreibungen über die Zeit, schliesslich bin ich nicht Stephen Hawking, sondern komme zu spannenderen Dingen.

 Passender zu diesem Bergfest war vom neunten bis zum dreizehnten Februar unser Zwischenseminar in Kokrobitey. Kurze Erl
äuterung, das Zwischenseminar soll den Freiwilligen die Möglichkeit geben ein kleines Resumè ihrer ersten Hälfte zu erstellen und etwaige Probleme anzusprechen und sie zu lösen. Es war schön die anderen Freiwilligen die hier in Ghana sind zu sehen und ganz besonders meinen guten Freund Vincent aus Togo und sich mit ihnen über ihre ersten fünf Monate auszutauschen. Das Seminar selber werde ich nicht näher erörtern, denn für Aussenstehende dürfte es uninteressant sein, was so diskutiert wurde.
 Spannender hingegen war unser Ausflug zu dem „Shai Hills Nature Reservat” 60 Kilometer von Accra entfernt.

 Das erste Beweis, dass es sich tats
ächlich um ein Naturschutzreservat handelt waren die Paviane die nicht lange auf sich warten liesen. Offensichtlich an Menschen gewöhnt zeigten sie keine Scheu an uns heran zu kommen, sich vor unseren Füßen zu kabbeln, sich auf den Bänken niederzulassen um dort ungeniert ihr Geschäft zu verrichten. Und natürlich um durch die Bäume zu klettern und zu springen. Doch Paviane waren nicht die einzigen Tiere. Als Nächstes kamen Strauße. Sehr große Tiere und in Anbetracht der Tatsache, dass diese Tiere einen Menschen mit einem Tritt über’n Jordan befördern können war ich recht froh, dass uns ein Zaun trennte. Strauße haben übrigens auch ein walnussgroßes Gehirn. Das sieht man ihnen an, ihr Gesichtsausdruck ist herzlich dämlich.

 Die dritten faunischen Vertreter die wir zu Gesicht bekamen waren Impalas. (Einige ahnungslose Banausen nennen sie Antilopen). Die sahen wir leider nur von Weitem. Schön anzusehen waren sie trotzdem.

 Zur Tierwelt im „Shai Hills Nature Reservat“ gesellt sich auch noch die tolle Natur.

 Trockensavanne wechselt sich mit sehr felsigen Hügeln ab die es zu erklimmen galt. Aufgrund der Tatsache, da wir das Reservat während der Trockenzeit erkundeten war Gelb die bestimmende Farbe in der Landschaft und da der Harmattan auch noch herrschte, ging am Horizont das Gelb in Grau über. So könnte einem das Adjektiv „trostlos“ in den Sinn kommen, so war es jedoch keinesfalls. Auch die gelb-braune Savanne ist beeindruckend. Und nur in der Trockenzeit kann man das Ausmaß der Buschbrände sehen. Das Gelb war teilweise auf sehr großen Flächen durch Schwarz verdrängt worden, dass sich gleich einem Geschwür durch das trockene Gras fras.

 Selbst die laubtragenden Bäume auf den Hügeln wirkten von Weitem Gelb, doch als der Weg unter ihnen den Hügel hinauf führte konnte ich feststellen: nicht alles ist während der Trockenzeit Gelb oder Schwarz.

 Ja, ja, die Hügel. Sie erinnerten mein Herz angenehm an „Mount Adaklu“ mit seinem gesundheitsverachtendem Aufstieg. Doch wie bei „Mount Adaklu“ entschädigte die Aussicht, die trotz Harmattan enorm war, für alle Strapazen und Mühen.

 

 Mein persönliches Highlight waren jedoch weder die Flora noch die Faua sondern die Möglichkeit auf der Ladefläche eines Pick-Ups mitzufahren. Das wollte ich machen seit ich hier bin und es auf einem steinigen, von Schlaglöchern geplagten Feldweg zu machen erfüllte mich mit einem euphorischen Gefühl das ich nur schwer in Worte fassen kann. Mein vollendetes Glück erfuhr ich dann, als es für den Rückweg auf die Landstrasse ging und mir bei 70 km/h die Fliegen ins Gesicht klatschten.

 Voellig zersaust und zutiefst glücklich ging es nach leckerem Jollof Rice wieder zurück nach Kokrobitey wo als Erstes auf dem Plan stand sich den gesammelten Schweiß des Tages im Atlantik abzuspülen.

 

 

Jonas