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A day of work

Autor: JonasMoeller | Datum: 10 Mai 2012, 18:13 | Kommentare deaktiviert

So, nachdem mir schon von allen Seiten die Daumenschrauben angelegt wurden hab ich mich gestern und heute hingesetzt und Bilder hochgeladen sowie Artikel geschrieben.

Viel Spass damit

 

Jonas

 

Behind the blue Mountains

Autor: JonasMoeller | Datum: 10 Mai 2012, 16:20 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 10 Mai

 

 

 Zu Hause ist dort wo man seinen Hut hinhängt. Zu Hause ist dort wo man geboren wurde. Zu Hause ist dort wo man zu Hause fühlt.

 „Endlich zu Hause“ hab ich gedacht, als ich nach zwei Wochen reisen endlich wieder in Ho ankam. Doch von Anfang an.

 

 Bei meiner ersten großen Reise ging es an die Küste, also lag das Ziel diesmal auf der Hand – das Inland. Genauer gesagt das tiefste Inland, denn es ging in hoch in den Norden in den Mole Nationalpark. Lag mein Augenmerk in den Weihnachtsferien auf Kultur und Historie so wollte ich diesmal Tiere sehen. Große Tiere. Elefanten beispielsweise.

 Doch überhaupt so weit zu kommen ist lang und beschwerlich. Stundenlang in Origamihaltung in einem viel zu kleinen Troto sitzen damit mir nach und nach alle Gliedmassen absterben klingt nicht sonderlich verlockend. Rettung vor dieser Tortur lag in Akosombo in Form der „Yapei Queen“. In Akosombo steht der Staudamm der die Voltaflüsse einst zum größten Stausee der Welt staute. Der Staudamm ist ein Touristenmagnet und auch Ausflugsdampfer sind in Betrieb um alle Interessierten einmal kurz über den Volta schippern zu lassen.

 Die Yapei Queen ist kein Ausflugsdampfer sondern ein Frachtschiff das Ladung bis in die nördlichsten Zuläufer des Voltas bringt. Glücklicherweise hat die Yapei auch drei Kabinen für Passagiere und glücklicherweise hatte Gustav, ein Freiwilliger der auch auf dem Zwischenseminar war, Connections bei der „Volta River Authority“. Das führte nicht nur dazu, dass wir ein Platz auf dem Schiff bekamen sondern zusätzlich, dass wir die Kabinen inne hatten und kostenlos auf der Route fuhren.

 Die Fahrt dauerte zwei Tage und gibt nicht viel zu erzählen her. Essen, Karten spielen, lesen, schlafen und die Landschaft betrachten waren die täglichen Aktivitäten. Dadurch, dass die Regenzeit zu dem Zeitpunkt anfing und die Wolken entsprechend tief hangen war die hügelige Landschaft fast immer in bläulichen Dunst getaucht was mir für die Schiffsreise einen Ohrwurm des Kinderliedes „Von den blauen Bergen kommen wir“ bescherte. Der einzig nervige Aspekt dieser Reise, ansonsten kann ich nur sagen, dass eine Schiffsfahrt auf dem Volta die mit Abstand angenehmste, ruhigste und entspannendste Art zu reisen ist.

 Heimliches Highlight war nebenbei gesagt eine Gewitter-Lightshow die ich vom Dach des Schiffes bestaunte.

 Aber die entspannte Haltung war verflogen, kaum dass wir am Zielhafen ankamen und es per Troto weiter nach Tamale ging, denn zum Mole Nationalpark muss ich anmerken, dass er etwas ab vom Schuss liegt und deshalb nur schwer zu erreichen ist. Einmal pro Tag fährt ein öffentlicher Bus von Tamale zum Molepark, ansonsten sieht es mit Transportmöglichkeiten eher düster aus. Unter Einsatz unserer Nerven und in heldenhafter organisatorischer Tätigkeit seitens Gustav schafften wir es dennoch in nur einem Tag zum Molepark ohne in Tamale nächtigen zu müssen.

 

 Verstaubt, verschwitzt und müde kamen wir im Mole an und legten uns auch ziemlich schnell schlafen. Von ausschlafen konnte aber keine Rede sein, denn die beste Zeit Tiere zu beobachten ist wenn sie trinken. Und das tun sie morgens.

 Also sechs Uhr aufstehen, Schlaf aus den Augen reiben, anziehen und ab auf Safari. Die ging per Pedes, schließlich muss man etwas für die Figur tun. Lange mussten wir aber nicht laufen denn in dem Wasser Loch das unmittelbar am Hügel liegt auf dem unser Hotel stand badeten bereits drei Elefanten. Oben bereits begeistert lief die Tour zuerst direkt zum erwähnten Wasserloch um den Elefanten noch ein bisschen näher zu kommen. Am Wasserloch machte ich dann auch Bekanntschaft mit einer Art, die ich noch nie sah, nämlich mit Krokodilen. Die lümmelten allerdings nur am Ufer rum und beachteten uns keine Sekunde lang.

 Im Folgenden ging es in einer großen Runde durch’s Gelände und wenn wir im weiteren nur Warzenschweine sahen und, in einiger Entfernung, zwei Buschböcke, so war es nichtsdestrotrotz ein schöner Spaziergang weil die Natur sehr schön ist und es ein cooles Gefühl ist wenn rein theoretisch jederzeit ein Löwe rausspringen könnte. Der hat sich dann aber doch nicht gezeigt. Kurz vor Ende der Tour war ein imposantes Trompeten zu vernehmen das den Parkranger dazu verleitete umzudrehen um der Sache auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich hatten sich die Elefanten aus dem Wasserloch bequemt und sich einigen anderen Elefanten angeschlossen, sodass nunmehr sieben Elefanten in voller Größe zu erleben waren.

 Nachmittags entschied ich mich das Angebot einer Kanutour auf dem nahegelegenen Molefluss in Anspruch zu nehmen. Der Fluss, von giftgrüner Farbe, war etwas abgelegen und durch Bäume und Sträucher schattig und verdeckt. Das Fischerkanu, von brauner Farbe, hatte mächtigen Tiefgang und einige kleine Lecks durch die Wasser sprudelte, bestach aber durch seinen rustikalen Charme. So ging es gemütlichst flussaufwärts bis ein umgestürzter Baum uns zur Rückkehr zwang.

 Heimliches Highlight dieses Ausfluges war die Fahrt auf dem Dach des Jeeps der uns zum Fluss brachte.

 Obwohl der Molepark sehr schön war verblieb ich nur eine Nacht dort um bald weiter nach Kumasi zu reisen.

 

 Also drei Uhr aufstehen und den Bus nach Tamale nehmen. Ich hatte die Tage davor schon wenig Schlaf und diese unsägliche Uhrzeit machte das Ganze nicht besser.

 Von Tamale aus wollten wir (wir waren inzwischen nur noch Gustav, eine Koreanerin und ich, der Rest blieb im Molepark) den Nachtbus nach Kumasi nehmen. Weil es ja schon so früh losging hatten wir noch den ganzen Tag Zeit. Da frohlockte mein Herz, war ich ja nicht viel zu müde um den ganzen Tag in Tamale rum zu latschen. Zum Glück ging es den Anderen ähnlich und wir klapperten nur das Cultur Center ab. Cultur Center hört sich jetzt vielleicht total spannend an, kann man doch etwas über ghanaische Kultur erfahren. In der Tat ist es ein nur Markt mit Souvenirständen. Nachdem wir also jeden Stand inspiziert hatten war das auch abgehakt und wir machten uns auf den Weg zu einem Freund um dort die restliche Zeit zu relaxen.

 Dort kreuzte auch das heimliche Highlight Tamales meinen Weg. Unser Gastgeber hatte einen Motorroller und ich, so ganz ohne Führerschein, ließ es mir nicht nehmen ein paar Runden über die Feldwege zu drehen und ich kann nur sagen: MotoGP ich komme.

 Unfallfrei und von dem Gedanken beseelt, ich könne den Führerschein vielleicht doch schaffen fuhr abends der Bus nach Kumasi ab. Ich kürze das Ganze ab: die Straße war mies, der Bus wurde die ganze Zeit von nerviger Musik beschallt und irgendwann war selbst mir die Klimaanlage zu kalt.

 Noch müder als eh schon kamen wir in Kumasi an.

 

 Aber Schlaf ist für Leute die kein Kaffee trinken, also ab zu unserer Privatunterkunft (erwähnte ich schon Gustavs Connections?), Gepäck lagern und wieder rein ins Getümmel der zweitgrößten Stadt Ghanas.

 Als erstes ging es zum Cultur Center in Kumasi. Das hat den Namen eher verdient denn neben Souvenirs kaufen kann man dort auch den Handwerkern und Künstlern bei der Arbeit zu sehen. Ausserdem ist das Center eine Oase der Ruhe im hektischen Kumasi und so ließen wir es uns nicht nehmen uns in den Schatten der Bäume zu setzen um dort zu dösen. Übrigens hinderte nur äußerste Selbstdisziplin mich daran all mein Geld für kitschige Bilder auszugeben, die, aus mir unerfindlichen Gründen, außer mir keiner mag. Um mich dennoch zu beruhigen kaufte ich mir zwei besonders schöne Exemplare. Nach der Tour durch die Läden ging es nachmittags weiter zum Chiefs Palace, denn Kumasi ist der Sitz des Chiefs der Ashanti, eine der größten und schon im Mittelalter mächtigsten Volksgruppe Westafrikas. Auf dem Gelände des Palastes liefen auch Pfaue durch die Gegend und da gerade Brunftzeit war konnte ich auch ein Pfauenrad bestaunen.

 Ich erfuhr etwas über die Ashanti und konnte einen Blick in ihre Kultur erhaschen und traf ganz nebenbei den wohl dreistesten Führer der mich je untergekommen ist. Ich meine, man erwartet Trinkgeld, aber man fordert es doch nicht. Er tat’s und aus Prinzip hätte ich ihm Keines geben sollen. Ich gab dann trotzdem welches.

 Nach dem Abendessen ging es dann wieder nach Hause um endlich schlafen zu können. Wir entschieden uns, den nächsten Tag zu Hause zu bleiben um auszuschlafen. An dem Tag sah beziehungsweise hörte ich auch Kumasis heimliches Highlight. Ein Kinderlied im Fernsehen das ich in meinem übermüdeten Zustand unendlich lustig fand obwohl es, objektiv betrachtet, garnicht mal so witzig ist.

 Der folgende Tag war der Tag der Abreise. Doch bevor es weiter nach Nsawam (Das N ist stumm) ging schlenderten wir noch einmal über Ghanas größten Markt, den Kumasi Central Market. Lange blieben wir aber nicht.  Er war zu voll, zu laut und wir immer noch zu müde.

 

 In Nsawam besuchte ich Kofi. Ein Halbghanaer aus Berlin der in Nsawam auf einer Ananasfarm arbeitete. So, Quizfrage: wie sehen die Pflanzen aus an denen Ananas wachsen? Richtig, es sind keine Bäume sondern hüfthohe Sträucher an denen Ananas wachsen. Ein Ausflug zu Kofis Arbeitsplatz war aber auch der einzige Programmpunkt. Ansonsten hingen wir rum, futterten kiloweise Ananas oder guckten Fußball. Und ich kam endlich zu meinem lang ersehnten Schlaf.

 Erst am Ende kam etwas Bewegung in meinen Besuch denn wir fuhren nach Accra um Kofis Vater zu besuchen der auch gerade in Ghana war. In Accra hingen wir rum, spielten Billiard oder Karten. Ich war zu dem Zeitpunkt aber auch kein übersprudelnder Quell der Energie.

 Da Kofi aber bereits am Ende seiner Zeit hier in Ghana angelangt war und nochmal all seine Bekannten besuchen wollte trennten wir uns am zweiten Tag und ich machte mich weiter auf den Weg zu Cyrus.

 

 Der Besuch bei Cyrus war schön, wurde aber durch seine baldige Abschiebung überschattet. Er ließ ganz nebenbei fallen, dass das Buduburam Refugee Camp geschlossen wird und seit Anfang April jeden Freitag und Sonntag 100 Liberianer Ghana verlassen. Sein Abschied ist um Juni. Sie dürfen 30 Kilo Gepäck mitnehmen und kriegen in Liberia 300 Dollar in die Hand gedrückt, als Starthilfe in ihr neues Leben. Mich hat diese Nachricht irgendwie geschockt denn Cyrus beziehungsweise alle Liberianer kamen mit nichts in Ghana an und verlassen Ghana mit wenig mehr. Für mich unvorstellbar mit 30 Kilo Gepäck und 300 Dollar ein neues Leben aufzubauen.

 Ich fragte Cyrus was denn sein Plan sei wenn er in Liberia ist und er antwortete: „Erstmal eine Unterkunft suchen, das ist das Wichtigste. Weißt du, man kann ein paar Tage ohne Essen auskommen, aber ohne Unterkunft musst du auf der Straße schlafen wo du dann ausgeraubt wirst. Vielleicht können Verwandte uns ein wenig helfen aber das wissen wir nicht sicher.“

 Er sagte das ruhig und sachlich und auf meine Frage hin wie er denn dabei so ruhig  bleiben könne sagte er: „Ghana war für mich nie ein zu Hause. Ich wollte immer in Großbritannien Fußball spielen. Das wird aller Wahrscheinlichkeit nichts mehr und da ist es doch besser in seinem eigenen Land zu leben als als Flüchtling in einem Flüchtlingscamp.“

 Wahre Worte die mich dennoch etwas aus dem Konzept brachten. Seine gute Laune steckte dann aber auch mich an sodass ich weniger über diese Entwicklung nachdachte. Es ist trotzdem bitter.

 

 Da bin ich ganz froh ein zu Hause zu haben in dem ich mich auch zu Hause fühle. Wobei, langsam glaube ich, dass ich zwei zu Hause habe. Eines in Deutschland, eines hier, in Ghana.

 

 

 

Jonas

 

The MonkeyChief

Autor: JonasMoeller | Datum: 09 Mai 2012, 13:11 | Kommentare deaktiviert

Montag, 7 Mai

 

 

 Die Schulferien sollten eigentlich am neunten April beginnen, am Vierten erfuhr ich dann ab morgen seien Ferien. Gut beschwer ich mich nicht. So habe ich ein paar Tage mehr vor der großen Reise. Doch weit gefehlt.

 Die Ausflüge begannen schon, bevor ich mich überhaupt auf Reisen begab, denn gleich zu Anfang der Schulferien stand das „Tafi Atome Monkey Sanctuary“ auf dem Programm. Wie der Name schon vermuten lässt ein Affenreservat, anderthalb Stunden von Ho entfernt. Das Dorf Tafi Atome liegt etwas abseits der Landstraße an der wir ausstiegen weshalb es wunderbar ruhig ist und man abgesehen von Vogelzwitschern kaum Umgebungsgeräusche vernimmt. Schon auf dem Weg zum Dorf kreuzte ein animalischer Vertreter der besonderen Art unseren Weg: ein Chamäleon. Es lief einfach mit seinem unheimlich stilsicheren Gang über die Straße. Und während wir es ausgiebig betrachteten wechselte es sogar seine Farbe. Zwar nicht ganz in der Art die einem die Samstag-Morgen-Cartoons vermitteln aber ein Wechsel des Musters war deutlich zu erkennen. Wir ließen es sogar auf einen Stock klettern und nahmen es mit nach Tafi Atome um es dort nochmals eingehend zu inspizieren. Danach widmeten wir uns aber wieder unserem eigentlichen Ziel, den Affen.  Drei Minuten von Tafi Atome entfernt, um genau zu sein direkt hinter’m letzten Haus beginnt der Wald und damit das Affenreservat.

 Von Affen, präziser gesagt den Monameerkatzen war allerdings noch nicht viel zu sehen weshalb wir uns gezwungen sahen unsere Geheimwaffe zu benutzen: Bananen. Und siehe da, kaum halte ich ein krummes, sattgelbes Prachtexemplar dieser Frucht in der Hand schon kommen die Monameerkatzen von überall aus den Bäumen und lassen sich auf den Ästen um uns herum nieder und, an den Menschen gewöhnt, sehr bald auch auf mir denn die Bananen müssen sie sich schon noch selber holen.

 Es ist ein tolles Gefühl wenn drei Affen auf einem herum wuseln, sich um die Bananen streiten, von einem Arm zum anderen klettern um von dort auf einen nahegelegenen Ast zu springen nur damit gleich die nächste hungrige Meerkatze nachrückt. Leider schwand das Interesse der Affen an uns recht schnell sobald sie merkten, dass unser Vorrat an Bananen erschöpft war. So machten sie sich recht bald wieder auf den Weg in die Baumkronen um dort auf die nächste Bananenlieferung zu warten. Ihren Weg nach oben bannten sie sich trittsicher durch das Geäst und ich wurde kurz etwas neidisch. Wenn ich Daumen an den Füßen hätte könnte ich auch so gut klettern.

 Der Neid hielt aber nicht lang an, Bananen essen kann ich auch so.

 Heimliches Highlight des Ausflugs waren übrigens die Fahrten von der Straße zum Dorf und zurück. Zurücklehnen, Arme ausbreiten und sich die ghanaische Luft durch die Haare wirbeln lassen.

 Das war Stop Eins meines Urlaubs. Stop Zwei war das Dorf Tanyigbe Etoe, sechs Kilometer östlich von Ho.

 

 Der aufmerksame Leser wird sich fragen: „Was kann es in so einem Kuhkaff das ich nicht einmal aussprechen kann schon geben? “ Eine gute Frage mit gleich zwei Antworten. Zum einen wohnt die Familie Olivias dort (zur Erinnerung: die Leiterin des Strassenkinderprojekts) und Tanyigbe Etoe hat einen Chief der das 60-jährige Jubiläum seiner Regentschaft feierte. Zwei gute Gründe in ein Kuhkaff zu fahren dessen Name keiner aussprechen kann.

 Solch eine Jubiläumsfeier ist für einen Außenstehenden wie mich in Gänze unverständlich weshalb ich nur beschreiben kann ohne irgendwie Erklärungen zu geben, die habe ich nämlich selbst nicht.

 Wie auch immer, wir kamen im Dorf an, verspeisten unser Mittagessen und wurden jedem noch so fernen Verwandten Olivias vorgestellt. Dazu diverse Freunde und Bekannte, so wie das in einem Dorf eben ist: man kennt sich.

 Nachmittags ging es dann zum ersten Teil der Feierlichkeiten. Zunächst versammelten sich eine Menge Leute mit Gewehren, Macheten, Trommeln und Verzierungen aus Blattwerk auf der Hauptstraße und zogen dann Richtung Ho. Nach circa einem Kilometer kam der Tross dann zum Stillstand und um die furios trommelnden Trommeln bildete sich ein großer Pulk der irgendetwas sang. Ich kann nicht sagen, weshalb die Menge an genau jenem Punkt stoppte und trommelte und ich kann auch nicht sagen was der Inhalt dieses Liedes war, Blickfang war aber sowieso etwas Anderes. Ein Mann mit starrem, leeren Blick der eine große Trommel auf dem Kopf trug die ein anderer Mann gelegentlich schlug. Auf Nachfrage meinerseits erläuterte man mir, dass die Trommel eine Geistertrommel und mit menschlichen Koepfen bestückt sei und der Täger von Geistern kontrolliert sei. Daher der starre Blick und die leere Mine. Was das Ganze mit dem Chief zu tun hatte erfuhr ich nicht, dafür wurde ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich mich von der Trommel fernzuhalten hatte, sonst köpfe man mich. Wer mich köpfen würde wurde mir nicht gesagt, aber genug Macheten waren auf jeden Fall da. Ich hielt mich dann etwas abseits der Trommel, man kann ja nie wissen. Die Macheten hatten noch eine Funktion. Man schliff sie in einem Halbkreis über den Asphalt. Für die Frage wann und wo die Machete geschliffen wurde erkannte ich kein Muster, so muss ich leider auch das zu den ungelösten Mysterien dieser Feier zählen. Blieben noch die Gewehre und Pistolen mit denen immer wieder in die Luft geschossen wurde. Bei einigen Exemplaren handelte es sich ungelogen um Vorderlader aus dem, geschätzt, 19ten Jahrhundert. Ich war fest davon überzeugt, dass diese uralten Dinger den Schützen beim nächsten Schuss um die Ohren fliegen müssten – passiert ist dann aber doch nichts.

 Mit einem Trommelstakkato, Gesang, geschliffenen Macheten und hin und wieder abgefeuerten Schusswaffen ging es dann langsam zurück ins Dorf und von dort aus weiter ins Nächste. Ich blieb in Tanyigbe Etoe, völlig überfordert von den soeben erlebten Eindrücken.

 Es war inzwischen Abend geworden und somit stand das Abendessen an. Es gab Banku. Wir halfen beim kochen über dem offenen Feuer und ich muss sagen: ist diese Methode zu kochen nicht unbedingt die effektivste und bequemste, so ist sie doch mit Sicherheit die Stilvollste. Gesättigt und immer noch verwirrt begab ich mich zu Bette, gespannt was der nächste Tag wohl bringen möge.

 Das Fest am nächsten Tag war dann nicht ganz so aufregend. Ein Platz mit Stühlen drum herum und ein Rednerpult. Geladen war die gesamte Bevölkerung, alle Sub-Chiefs und befreundete Chiefs des Chiefs. Das Fest war dann klassisch ghanaisch -  es sollte um zehn Uhr anfangen und um zwölf kamen die ersten Gäste. Von der Hitze gepeinigt hielten wir es allerdings nicht solang aus (immerhin begingen wir den Fehler um zehn dort aufzukreuzen) weshalb wir von den eigentlichen Feierlichkeiten garnichts mitbekamen. Sie waren aber auch nicht so spannend wie am vorherigen Tag.

 Mittags, der war ja nun inzwischen angebrochen, ging es wieder nach Hause und ich muss sagen, so eine Chieffeier ist schon beeindruckend. Da wünscht man sich fasst man sei Ethnologe um auch etwas zu verstehen. Lang konnte ich da aber nicht weiter drüber nachdenken, stand doch die große, die eigentliche Reise an.

 

 

Jonas