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Turtles at work

Autor: JonasMoeller | Datum: 23 Dezember 2011, 21:07 | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 11 Dezember

 

 Was ist gross, hat einen Panzer und schwimmt im Wasser? Richtig, Meeresschildkröten. Wann kann man sie bei einem Landgang beobachten? Auch richtig, beim Eier legen. Von Dezember bis Febuar schleppen sich Meeresschildkröten zur Eiablage auf den Strand. Passenderweise ist gerade Dezember, also bot sich dieses Wochenende ein Trip in den Kreissaal der Meeresschildkröten an.

 Es ging ins Flussdelta des Volta, genauer gesagt in ein Strandcamp direkt zwischen Atlantik und Volta gelegen. 150 Meter vom Ozean, direkt durch unser Camp und ich konnte im Volta weiter baden.       Doch von Anfang an, die Fahrt war, ich bin es nun schon gewohnt, nicht weiter nennenswert abgesehen von einer kleinen Machtdemonstration der örtlichen Staatsgewalt. Unser Trotofahrer hatte es doch tatsächlich gewagt OHNE doppelt und dreifaches OK durch einen Straßencheckpoint zu fahren wodurch er sich schutzlos der Laune der Polizei auslieferte. Es folgten anhalten, zurücksetzen, aussteigen, sich beleidigen lassen, Führerschein- und Fahrzeugkontrolle, weitere Unhöflichkeiten mit anschliessender Diskussion. Auf die Frage, wie lange der Austausch von Nettigkeiten wohl dauern würde kam die Antwort: ”Lange wenn der Fahrer den Polizisten kein Bestechungsgeld gibt” Er tat es nicht weshalb wir geschlagene Zwanzig Minuten warteten ehe es weiter ging. Berichtenswert ist auch die Tatsache, dass für die allgemeine Zurechtweisung und die Führerscheinkontrolle tatsächlich alle fünf Polizisten am Checkpoint involviert waren. Einer schnauzt den Fahrer an, einer schreibt die Personalien auf eine Zeitung und die anderen Drei stehen rum und grinsen, derweil werden folgende Trotos die den Checkpoint passieren völlig ignoriert. Da soll nochmal einer sagen deutsche Beamte seien ineffektiv.

 Abgesehen von diesem unfreiwilligen Aufenthalt wurde es erst wieder spannend als wir an unserem Ziel ankamen. Von dort ging es nämlich mit einem Motorboot über den Volta zu unserem Camp. Sehr entspannte finale fünfzehn Minuten Reise in denen ich die frische Luft und den allgemeinen Ausblick auf eine tolle Flora genieße. Im Camp angekommen steht selbstverständlich als Erstes Zimmer beziehen auf dem Plan. Zugegeben, Hütte trifft es eher, eine Hütte die aus Ästen und geflochtenen Palmblättern gebaut ist und als Boden Sand ist. Das ist ökonomisch sinnvoll, schließlich war der schon da. Immerhin hatte das Fenster ein Fliegengitter, da müssen die Mücken den Umweg durch die zig anderen Lücken nehmen.

 So, nun am zum eigentlichen Thema, den Schildkröten. Ab Neun fangen sie an das Meer zu verlassen um ihren Nachwuchs im Sand zu vergraben. Also ging es unter herrlichsten Vollmondschein und einem Firmament, das selbst dem der ISS Konkurrenz macht auf zum Strandspaziergang mit hoffentlich animalischer Extravorstellung. Hoffentlich, den die Chance welche zu sehen betraegt fifty-fifty. Wir haben die falschen Fuenfzig erwischt und gingen an diesem Abend leer aus. Etwas enttäuscht ging es ins Bett. Welch Glück, dass das restliche Setting so toll war, denn am nächsten Tag war die Enttäuschung wie weggeweht und es stand aktives Nichtstun auf dem Plan, gewürzt mit gelegentlichem baden. Immerhin ein erholsamer Tag den wir gerade mit einer Runde schwimmen, diesmal dem Kartenspiel, abschlossen als uns ein Mitarbeiter des Hotels darüber in Kenntnis setzte, man habe eine Schildkröte gesichtet. Augenblicklich war das langweilige Kartenspiel vergessen und wir stürmten fast hinter dem Guide hinterher, elektrisiert von dem kommenden Schauspiel.

 Und das hatte es in sich. Glücklicherweise war eine Riesenschildkröte (nach eingängiger Wikipediarecherche glaube ich es ist war eine Grüne Meeresschildkröte) zu Gange ihrer Eier im Sand zu vergraben. Der Name Riesenschildkröte trifft es ganz gut, mit gut zwei Metern Länge, ebenso großer Spannweite und laut Führer bis zu 200 Kilo gehörte unser Exemplar ganz sicher nicht zu den Fliegengewichten der Schildkröten. Umso erstaunlicher war es, mit welcher Behändigkeit Sie erst ein Loch mit ihren Hinterflossen grub, ihre Eier rein legte um sie daraufhin wieder zu vergraben. Das Ganze dauerte knapp drei Stunden was auch Ihr erschöpftes Gekeuche erklärte. Doch trotz aller Mühsal machte die Schildkroete sich die Mühe fünfmal im Kreis zu kriechen um die Spuren ihrer Eiablage zu verwischen und damit etwaigen Nesträubern das Leben schwer zu machen.

 Nachdem die Schildkröte sich zurueck in Richtung Meer machte und die Wellen des Atlantik sie verschluckten war es zwei Uhr, wir müde dafuer aber begeistert vom eben Erlebten.

 Am nächsten Tag, ein Sonntag, stand dann die Heimreise auf dem Programm, die allerdings auf einer etwas anderen Route als der Hinweg lief. Es ging via Motorboot durch die einzelnen Flussarme quer durch das Flussdelta nach Keta, um von dort aus den weiteren Rückweg per Troto anzutreten. Man versicherte uns es sei eine Abkürzung. Eine ghanaische Abkürzung. Weder war es wirklich kürzer noch kamen wir in Keta an, wir mussten von irgendeinem Fischerdorf ein Taxi nach Keta nehmen. Sauer waren wir nicht, entschädigte doch die Bootsfahrt mit ihrem tollen Blick auf Fischer, ihre Boote und Mangroven für alles. Auf dem Rückweg dann passierte das, was auch schon auf der Hinreise passierte: Der Fahrer legte sich mit der Polizei an. Zurecht wie ich finde aber trotzdem durfte er seinen Führerschein und sogar sein Warndreieck  (ja, so Etwas gibt es hier) vorzeigen und sich einige nette Worte von den Polizisten anhören.

 Die Moral von der Geschichte: Meeresschildkröten sind ziemlich beeindruckend und keine zehn Pferde bringen mich dazu mich mit der Exekutive anzulegen.


Jonas

 

One Love

Autor: JonasMoeller | Datum: 29 November 2011, 12:27 | Kommentare deaktiviert

Dienstag, 29 November

 

 Morgens ist es sehr angenehm. Abends auch. Das Problem sind die zehn Stunden dazwischen. Ich rede von der Temperatur die mir in der momentanen Uebergangszeit von Regen-und Trockenzeit ordentlich zusetzt. Mittags häng ich immer durch und das seit anderthalb Wochen. Das nervt ziemlich und um dem entgegen zukommen hilft nur eins: Urlaub. Die Frage ist nur, wie nimmt man sich Urlaub von der Hitze in einem Land, dass in Westafrika liegt und nur zwei Jahreszeiten kennt; Hitze und Hitze mit Regen.

 Die Antwort liefert die Küste, dort ist es zwar wärmer als in Ho aber dank der kräftigen Brise und der Option ins Meer zu springen fällt das nicht so auf.

 Das Ziel war Kokrobitey, ein Dorf im grösseren Accra-Raum und daher bequem in dreißig Minuten von Accra aus zu erreichen. Kokrobitey selber hat, abgesehen vom Strand, mit seinen gefühlten zwanzig Einwohnern  nicht so viel zu bieten aber es ging ja auch um Entspannung und nicht um Sight-Seeing. Das hat unser Hotel gleich nochmal aufgewertet, schließlich lag es direkt am Strand. Zwanzig Meter über glühend heißen Sand und ich konnte schon in die Wellen springen, die hier zwar nicht ganz so stark sind wie in Aflau aber dennoch kräftig und damit spaßig. Aber das Hotel hatte abgesehen von der wunderbaren Lage noch seinen ganz eigenen Charme. Da wir zu zehnt reisten und vorher gebucht hatten kamen wir in den Genuß des hoteleigenen “Loft” das da so aussieht, dass es auf einer überdachten Terasse liegt die rundherum offen ist und ausser Matratzen und Moskitonetzen bar jedweden Mobiliars ist. Dieser minimalistische Charme wurde durch die “backet flash” Toiletten noch verstärkt. Gemeint ist wohl “bucket flush” – Eimerspülung. Nach diesem Konzept funktionieren dort auch die Duschen: Eimer am Brunnen aufüllen, zur Dusche schleppen und dann mit einer Schöpfkelle abduschen. Das ist bei fünfundzwanzig Grad einfach herrlich.

 Auch neu für mich waren die Rastafaris die primär an der Kueste Ghanas anzutreffen sind. Und was auch immer man für ein Klischee von Rastafaris im Kopf hat, es stimmt.

Allesamt haben sie Dreadlocks, allesamt tragen sie Kleidung in allen Farben des Regenbogens und allesamt kiffen sie. Doch neben diesen Bob Marley Kult sind Rastafaris sehr herzliche Leute mit denen man einfach in Kontakt kommen kann, am besten um am Strand Fußball zu spielen. Und ihr “one love” und ihr “Rastafari!”, was sie als Begrüßung und Abschied verwenden, amcht sie zu sympathischen Leuten, auch wenn man nicht selber kifft.

 Sympathisch war auch die Trommel- und Tanzgruppe die jeden Freitag in dem Hotel auftritt. In Verbindung mit hervorragenden Trommelrythmen ist afrikanischer Tanz klasse anzusehen auch wenn ich mich, immer wenn ich Afrikaner tanzen sehe, für meinen hoffnungslos verkuemmerten Tanzstil schäme. Vermutlich ist das der Grund weshalb es in Discos so dunkel ist.

 

  Nun musste ich nicht selber tanzen sondern konnte stattdessen Milkshakes schlürfen und so in aller Ruhe zu dem Fazit gelangen, dass, auch wenn zur reinen Entspannung rum reist, man immer irgendetwas neues sieht, erlebt und immer jemand oder etwas neues kennenlernt.

 

Jonas

 

 

GMT +1

Autor: JonasMoeller | Datum: 12 November 2011, 17:22 | Kommentare deaktiviert

Montag, 7 November

 In Deutschland wurden die Uhren vor Kurzem umgestellt. Auf Winterzeit. Als ich das höre muss ich lauthals lachen, ist der Gedanke von Winterzeit bei Strand, immer scheinender Sonne und konstanten fünfundzwanzig Grad doch schlichtweg absurd.
 Ich sitze am Strand von Aflau, vergrabe meine Füße im Sand und esse Bananen um mich vom schwimmen in angenehm erfrischendem Wasser zu erholen. Wobei schwimmen nicht der richtige Ausdruck ist. Eher Wellenreiten. Die Strömung hier am Strand von Aflau, unweit der togoischen Grenze, ist viel zu stark als das man ungefährdet weiter rausschwimmen könnte. Wir begnügen uns damit uns von der Strömung auf den Strand spülen zu lassen um dann mit dem abfließenden Wasser wieder ins Meer gesogen zu werden. Es macht unheimlichen Spaß sich vom Wasser durchwalken zu lassen, welches einen problemlos fünf Meter Richtung land spült und dann die selbe Länge wieder zurückzieht. Widerstand ist dabei zwecklos, man wird mitgerissen, egal wie sehr man sich wehrt und gegen die Wellen stemmt.

 Es ist der 51. Tag meines freiwilligen Jahres. Fast zwei Monate und es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. In mir herrscht ein völlig diffuses Zeitgefühl. Die Tage vergehen in ganz normalem Tempo doch wenn ich dann aufs Datum schaue frage ich mich wohin die Zeit verschwunden ist. Bereits das vorangegangene Wochenende kommt mir so lang her vor, dass ich mich wundern muss ob tatsächlich nur fünf Tage zwischen den Wochenenden liegen. Tun sie, auch ihn Ghana, was die Frage aufwirft woran es dann liegt, dass ich Zeit so anders wahrnehme.
 Liegt es daran, dass ich hier tatsächlich arbeite und nicht wie zu Hause die ganze Zeit nur rumlungere? Daran, dass der Tagesrythmus hier ein ganz Anderer ist, schließlich stehe ich spätestens neun Uhr auf und liege auch spätestens um Neun wieder im Bett. Oder ist der Grund für rasende Zeit der, dass die Umstände meines derzeitigen Lebens derart neu sind, dass mein Gehirn mit der Verarbeitung hinterherhinkt und ich Zeit deshalb so seltsam wahrnehme?
 Ich weiß es nicht und werde es vermutlich auch nie herausfinden, aber ich mag es und es fühlt sich großartig an neben dem neuen Leben auch die Zeit ganz anders als gewohnt zu erfahren.

 Zeit ist es auch, die wir auf der Fahrt nach Aflau mitbringen mussten. Der rechte Hinterreifen unseres Trotos hat mitten zwischen zwei Dörfern den Geist aufgegeben und uns blieb nichts anderes übrig als satte fünfundvierzig Minuten zu warten bis ein Troto vorbei fuhr, dass Platz für sechs Personen bot.
 Die Moral von der Geschichte: reise nicht in zu großen Gruppen, sonst findest du keine neue Mitfahrgelegenheit. Hab immer ein Buch dabei, du weißt nie was auf die zukommt und wieviel Zeit du überbrücken musst und sei auf alles gefasst. Rechne mit dem Schlimmsten und freu dich, wenn nur der rechte Hinterreifen platt ist. Und achte darauf, ob das Troto einen Ersatzreifen hat oder nicht.


Jonas

 

Yes, I am scared of that woman!

Autor: JonasMoeller | Datum: 12 November 2011, 17:21 | Kommentare deaktiviert

Sonntag, 6 November

 

 Ich wurde überfallen. Ausgerechnet an meinem Geburtstag. Allerdings nicht mitten in der Nacht in einer dunklen Seitengasse und auch nicht mit einer Waffe sondern Abends auf der Toilette einer Bar   mit weiblichem Charme.

 Erst wurde die Tür der Herren von einer Dame aufgestoßen. Kein Ding, kann mal passieren. Aber anstatt sich eine andere Toilette zu suchen wartet besagte Dame vor der Tür um mich mit der Frage was ich denn von ihr halte zu überrumpeln. Mein Gedanke:„Abgesehen davon, dass du 'ne Irre bist, die Männern auf der Toilette solche Fragen stellt noch bevor sie ihre Reißverschlüsse geschlossen haben, scheinst du echt nett zu sein“. Ich hab dann leider nicht so souverän geantwortet, dafür war ich zu sehr von der Situation irritiert, schließlich wurde ich so etwas noch nie gefragt, schon gar nicht in einer solchen Örtlichkeit. Ich war nur an das „Javu“ (Ewe: weißer Mann) der Kinder und das „white man“ der Erwachsenen auf der Straße gewöhnt. Zwar ziehe ich als Weißer in den Straßen immer die Aufmerksamkeit auf mich und muss mir solche Rufe anhören aber die Aufmerksamkeit die mir die Dame aus der Bar zuteil werden ließ war mir neu.

 Andere weibliche Freiwillige reagieren da schon anders, schließlich gestehen ihnen laufend Männern ihre Liebe und fragen Sie ob Sie sie heiraten möchten. Auch Fragen a lá:„Wann nimmst du mich mit nach Deutschland“ oder „kannst du mir ein Visum besorgen“ werden häufiger an Sie als an mich gerichtet.

 Auf diese Weise habe ich eine mir unangenehme Erfahrung gemacht, die Frauen schon viel früher machen und wegen der auch ich jetzt imaginär verheiratet bin.

 Dieses rein utilitaristische Interesse an Weißen habe ich auch schon auf andere Weise erfahren müssen. Ein Junge, vielleicht sechzehn Jahre alt, der unbedingt Freundschaft mit uns schließen wollte aber schon bei seinem ersten Besuch auffallendes Interesse an unseren Wertsachen hatte. Es kam wie es kommen musste, er hat versucht uns zu bestehlen. Der Diebstahl wurde rechtzeitig bemerkt und seitdem habe ich ihn nicht wieder gesehen. Doch hat dieser Vorfall hat mich misstrauisch gemacht und es mir schwerer als ohnehin schon gemacht Ghanaer kennen zu lernen.

 Deshalb halte ich mich an die Ghanaer, Die ich eh schon kenne und die dafür umso netter sind. Immer finden sie Zeit um meine Fragen zu beantworten oder mir bei irgendetwas zu helfen. Sie laden einen Abends ein und als ich fragte, ging man sogar mit mir einkaufen und brachte mir anschließend ein ghanaisches Gericht bei.

 So werde ich als Weißer Zeuge eines merkwürdigen Zwiespalts. Zwar sind alle Ghanaer überaus gastfreundlich und offen gegenüber Fremden aber bin ich mir nie sicher ob reine Freundlichkeit dahinter steckt oder die Absicht irgendwie Vorteile aus mir zu ziehen. Sei es indem man mich beklaut oder glaubt ich könne ein deutsches Visum aus meiner Gesäßtasche zaubern.

 Und ich lerne etwas zu schätzen auf das ich bislang nur im Internet achtete: Anonymität.

 

 

Jonas

 

The network is off

Autor: JonasMoeller | Datum: 12 November 2011, 17:18 | Kommentare deaktiviert

Donnerstag, 3 November

 

 „The network is off“, dass bekomme ich nun in dem dritten Büro der „Electric Company Ghana“ zu hören. Warum toure ich Donnerstag Abend gegen halb sieben durch diverse Zweigstellen der „ECG“? Ich habe meinen Strom nicht bezahlt beziehungsweise nicht rechtzeitig aufgeladen. Der Strom in Ghana ist pre-paid um zahlungssäumigen Kunden einen Riegel vorzuschieben. Nun, zahlen würde ich gern, aber, wie schon geschrieben, „the network is off“. In Ghana läuft das Leben eben anders.

 So auch auf der Baustelle gegenüber unserer Einfahrt. Dort wird ein neues Schulgebäude gebaut. Ohne Bagger, Löcher werden per Schaufel gegraben, ohne Kran, Material wird von zwei Bauarbeitern in den ersten Stock gehoben, einziges technisches Hilfsmittel ist ein Zementmischer, aber trotz ihm wird Zement manchmal wie ein Kuchenteig gerührt – Zement auf die Erde, Wasser drauf, rühren. Alles andere ist für Weiße.

 An der Baustelle gehe ich immer vorbei wenn ich einkaufen gehe. Meistens Wasser. Das gibt es in handlichen fünfzehn Liter Packungen für fünfundsiebzig Cent. Das ist günstig, ebenso wie Gemüse, Früchte und alles andere das man auf dem Markt kaufen kann. Teuer wird es bei Importgütern. Ein Liter Milch kostet geschmeidige zwei Euro, Brot ist zwar nicht so teuer, weil hier gebacken, nur gibt es leider nur eine Sorte: Weißbrot. Sonderlich sättigend ist das nicht.

 Und so mache ich häufig an einer der „Chop Bars“ halt wenn ich mich auf dem Rückweg eines anstrengenden Einkaufstrips mit fünfzehn Litern Gepäck befinde.

 „Chop Bars“, das sind quadratförmige Hütten aus Metall die neben allerhand Konserven auch Essen verkaufen. Reis mit Soße oder gar Banku (Klöße aus Maismehl). Im Prinzip sind das schön billige Imbissbuden die an jeder dritten Ecke stehen und stellen somit eine ideale Zwischenetappe auf meinem Einkaufstrip dar.

 Doch trotz Pause trinke ich meist bereits auf dem Weg einen Sack Wasser (Wasser gibt es hier nicht in 0,5 Liter Flaschen sondern in 0,5 Liter Säcken), schließlich ist es ziemlich warm hier. Den hinterher anfallenden Müll werfe ich selbstverständlich umweltbewusst in den Abfalleimer – Ok, Scherz, es gibt in ganz Ho keinen einzigen Abfalleimer. Was eine gewisse Ironie birgt angesichts der Tatsache, dass es überall Plakate gibt die auffordern, seinen Müll doch in einen Mülleimer zu werfen. Statt den Plakaten Folge zu leisten entsorge ich meinen unterwegs produzierten Müll wie alle anderen in die Kanalisation.

 Die Kanalisation ist nicht etwa wie in Deutschland unter der Straße und mich Gullideckeln abgedeckt, nein, vielmehr sind es zwei offene Gräben links und rechts der Straße die Regenwasser, Abwasser und eben auch Müll in die Kläranlage leiten – Natürlich war auch das ein Scherz, Abwässer fließen einfach in kleine Bäche oder Flüsse die von Müll eh schon so unkenntlich sind, dass man glaubt sie seien eine Müllhalde.

 Hausmüll wird natürlich nicht in der Kanalisation entsorgt. Er wird in Säcken für Bio- und Restmüll getrennt und hinterm Haus deponiert. Und wenn der Müllberg groß genug ist wird er angezündet. Das ist echt ghanaisches Lagerfeuer.

 Den Müllberg kann ich von der Dusche aus sehen. Aber ich achte nur selten drauf, denn ich bin damit beschäftigt Kakerlaken zu fangen. Ameisen in der Küche und Salamander an den Wänden stören mich nicht, doch habe ich beim Duschen ganz gern meine Privatsphäre. Dementsprechend gehören neben Shampoo und Handtuch auch eine Schüssel und ein Blatt Papier zu meinen Duschutensilien um diesen unsäglich flinken Biestern zu Leibe zu rücken.

 So geht unter der Dusche ein weiterer Tag für mich zu Ende. Ein weiterer Tag an dem ich wieder etwas Neues entdeckt habe und mich wieder etwas Neues begeistern konnte.

 

 

Jonas

 

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